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140 Jahre Seemannsmission: Eine Pause von den Weltmeeren
Zeitdruck, Kriege und Krisen machen die Arbeit für Seefahrer immer härter. Seit 140 Jahren hilft die Deutsche Seemannsmission, den Bordalltag kurz zu vergessen - so wie im Hamburger Seemannsclub Duckdalben.
"Normalerweise sollten sie jetzt kommen", sagt Jan Burow etwas ratlos. Der 75-Jährige steht vor einer riesigen schwarzen Stahlwand und wartet. Die "Guayaquil Express" hat gerade im Hamburger Hafen angelegt: ein Containerriese, rund 300 Meter lang.
Der ehrenamtliche Helfer der Deutschen Seemannsmission rückt seinen weißen Helm zurecht, blickt in Richtung Gangway. Er will Seeleute abholen. Doch stattdessen taucht sein Kollege Franz Taucher auf: "Da ist Chaos, Proviantübernahme, Crew-Wechsel", berichtet er. Die Seeleute dürfen vorerst nicht von Bord.
Burow kennt das schon, er ist selbst jahrelang zur See gefahren und beobachtet: Die Seefahrt ist stressiger geworden. "Zu meiner Zeit lagen die Schiffe auch mal länger am Hafen. Heute, mit den Containern, geht das Be- und Entladen schneller. Deshalb bleibt den Seeleuten kaum Zeit, denn die Schiffe sind höchstens 36 Stunden hier", sagt er. Umso wichtiger seien Orte wie der Seemannsclub Duckdalben, zu dem er jetzt zurückfährt. Vorbei an großen Pötten und riesigen Kränen.
Jan Burow fuhr selbst lange zur See - jetzt hilft er ehrenamtlich Seeleuten, die in Hamburg anlegen.
An den Decken hängen rote Rettungsringe, an den Wänden, dicht an dicht: Schiffsmodelle, Fähnchen und Masken - Mitbringsel aus aller Welt. Der Duckdalben liegt direkt am Hamburger Hafen, dort, wo auch seine Namensgeber verbaut sind, die Duckdalben: große Pfähle im Wasser, an denen Schiffe festmachen können.
Denn genau das soll der Seemannsclub, der von der Deutschen Seemannsmission betrieben wird, auch sein: ein Ankerpunkt für Seeleute, ein Ort, an dem sie kurz den harten Bordalltag vergessen können. Im Club können sie sich austauschen, bekommen Hilfe, zum Beispiel wenn Medikamente benötigt werden. Und die Seeleute können Snacks einkaufen.
Anji Kirankumar steht gerade an der Kasse, eine Tafel Schokolade in der Hand. Er hat wenig Zeit, morgen muss er schon wieder weiter in Richtung Antwerpen. Er findet: Es gebe viel zu wenige Orte wie diesen in den Häfen der Welt. Hier bekomme er etwas Abwechslung, schildert der indische Seemann, denn an Bord sehe man immer wieder dieselben Gesichter. Außerdem dürfe auf einigen Schiffen kein Alkohol getrunken werden. "Hier können wir Bier trinken", ergänzt er lachend.
Trotz weltweiter Krisen, das Geschäft der griechischen Reeder boomt.
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Nebenan klirren schon die Bierflaschen, eine Gruppe Filipinos steht um den Billardtisch. Die Stimmung ist gelöst. Vor ihnen liegen Wochen auf See - nächster Stopp: Japan. Rodrigo Llamas Jr. spielt nicht mit, er ruft lieber bei seiner Familie an. Denn auf vielen Schiffen ist das Internet limitiert, anders als hier im Duckdalben. "Hier kann ich meine Familie anrufen und ihnen erzählen, wie es mir an Bord so geht", erzählt der 45-Jährige.