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Tickets für die Bahn – DB Navigator oder DB Info?
Das Verkehrsministerium knickt gegenüber der Deutschen Bahn ein. DB Navigator und bahn.de bleiben bei DB Fernverkehr – zum Nachteil von Kunden und Konkurrenten.
Die Digitalisierung des Fahrkartenverkaufs im deutschen Eisenbahnverkehr war von Anfang an durch eine Schieflage geprägt. Als der Markt auf der Schiene schrittweise für private Wettbewerber geöffnet wurde, steckte der digitale Vertrieb noch in den Kinderschuhen. Der Staatskonzern Deutsche Bahn konnte seine Marktmacht nutzen, um weitgehend unbehelligt und teils mit öffentlichen Mitteln dominierende digitale Kanäle aufzubauen. Das Internetportal bahn.de und die App DB Navigator entwickelten sich mit der Zeit zu den Anlaufstellen für Millionen von Fahrgästen.
Über einen langen Zeitraum lagen die Eigentums- und Nutzungsrechte dieser Quasi-Monopolportale bei der DB Vertrieb GmbH, einer Konzerntochter, die sämtliche Endkundenaktivitäten bündelte. Doch hinter den Kulissen kam es zu einer ausschlaggebenden Verschiebung: Mitten in einem laufenden Kartellverfahren übertrug die Bahn den digitalen Vertrieb zum 1. April 2023 intern auf die DB Fernverkehr AG. Über die Hintergründe und finanziellen Konditionen dieser Transaktion erfuhr die Öffentlichkeit nichts. Auf eine parlamentarische Anfrage dazu antwortete die Bundesregierung nur: Damit seien „effizientere Abläufe und Strukturen sowie schnellere Entscheidungsprozesse möglich, um so unter anderem neue digitale Services und Funktionen für Fahrgäste schneller zur Marktreife bringen und einführen zu können“.
Bei dem Kartellverfahren war es im Kern um Werbeverbote, vertikale Preisvorgaben, weitreichende Rabattverbote und Vorenthaltung von Fahrplandaten und Provisionen für verkaufte Tickets gegenüber mitbewerbenden Mobilitätsplattformen wie Omio oder Trainline gegangen. Das Kartellamt entschied im Juni 2023, dass diese Praktiken nicht zulässig sind.
Dann gab es eigentlich eine politische Richtungsentscheidung. Der damalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) forderte im September 2025 in der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene, dass der DB Navigator sowie die zugehörige Webpräsenz kurzfristig in die Verantwortung der gemeinwohlorientierten Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO AG übertragen werden sollten. Ziel war es, Wettbewerbsneutralität herzustellen. Der Schritt hätte bedeutet, dass Fahrgäste dort diskriminierungsfrei auch Fahrscheine von Konkurrenten im Fernverkehr erwerben könnten.
Gegen diesen Schritt regte sich im Bahnkonzern umgehend Widerstand – und es tat sich bislang nichts. Das kritisieren private Bahnanbieter scharf. Mofair, das Bündnis für fairen Wettbewerb im Schienenpersonenverkehr mit Mitgliedern wie Flixtrain, Italo oder SNCF, prangert das Abwarten des Monopolisten an. Der Grund dafür liege auf der Hand, da die beiden Portale das Schlüsselelement im Kontakt mit den Fahrgästen seien. Mofair wirft dem Konzern vor, seine Alleinherrschaft an dieser Stelle so lange wie möglich behalten zu wollen. Wünsche der Wettbewerber, mit ihren Produkten dort ebenfalls verkauft zu werden, würden von der DB abgeblockt.
Als Argument gegen die Übertragung an die DB InfraGO führte die Deutsche Bahn etwa finanzielle Hürden an: Die Vertriebskanäle besäßen einen Wert von rund einer Milliarde Euro, die die DB InfraGO der Fernverkehrssparte ausgleichen müsste. Bei den Mitbewerbern stößt das auf Unverständnis. Es blieben zentrale Fragen offen, etwa ob die DB Fernverkehr an die DB Vertrieb 2023 eine vergleichbare Vergütung geleistet habe.
Inzwischen hat sich das Verkehrsressort von seiner Forderung verabschiedet. Bei der Präsentation eines neuen Programms zur verbesserten Kundenkommunikation durch Schnieder und DB-Chefin Evelyn Palla erfolgte der politische Rückzieher. Statt die angekündigte wettbewerbsneutrale Struktur umzusetzen, kündigte der Konzern die Einführung einer weiteren Anwendung an: Mit „DB Info“ soll neben dem Navigator eine zusätzliche App etabliert werden.
Für Mofair ist das eine Nebelkerze, auch wenn