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129 Tage in der Hand der Hamas: Das neue Leben des Luis Har
Am 7. Oktober 2023 wurde Luis Har von der Hamas verschleppt und 129 Tage später in einer dramatischen Aktion befreit. Drei Jahre danach kämpft er mit den Spuren des Traumas - und dem Schweigen in seiner Nachbarschaft.
In einem kleinen, hellen Haus im Kibbuz Urim, nur wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt, steht eine Reihe von Fotos auf einer Kommode. Die Bilder erzählen von einer Rückkehr ins Leben. Eines zeigt den Innenraum eines Militärhubschraubers, ein anderes eine emotionale Umarmung im Krankenhaus. Es sind die Aufnahmen des Moments, in dem für Luis Har die Freiheit begann.
"Das hier sind die Hubschrauber, die mich gerettet, die uns herausgeholt haben", sagt der 73-Jährige und greift nach einem der Rahmen. Es sei etwas Historisches. Doch hinter der Erleichterung, die auf den Fotos eingefroren ist, liegen Monate der permanenten Todesangst.
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Der gebürtige Argentinier war am 7. Oktober 2023 von Terroristen der Hamas aus Israel nach Gaza verschleppt worden. Gemeinsam mit vier Familienmitgliedern war er in einem abgedunkelten Raum in Rafah eingesperrt. Um in der Gefangenschaft psychisch nicht zu zerbrechen, entwickelten die Geiseln eine strikte, fast trotzige Routine.
"Ich versuchte, innerhalb der Gefangenschaft ein Leben so normal wie möglich zu führen", erinnert sich Har. Jeden Morgen standen sie auf, falteten die Decken zusammen, er machte das Frühstück. Obwohl sie den ganzen Tag nichts zu tun hatten, hielten sie an einem Gedanken fest: "Wir wussten, dass wir hier rauskommen."
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Heute ist Luis Har ein freier Mann. Er hat ein Buch geschrieben, reist um die Welt, spricht vor Politikern und UN-Vertretern. Er funktioniert nach außen hin. Doch die Freiheit täuscht, denn die Spuren der 129 Tage in der Hand der Hamas haben sich tief in seinen Körper eingebrannt.
Das Trauma holt ihn im Alltag immer wieder unvermittelt ein. "Es passiert mir häufig, ohne Grund: Ich gehe die Straße entlang und plötzlich beginne ich zu weinen. Ein Wort, ein Geräusch", schildert er die Panikattacken. Wenn ein Motorrad vorbeifahre, erstarre sein Körper. In diesen Momenten schließt er die Augen und sagt sich selbst: "Luis, du bist hier, du bist nicht dort."