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Aufwachsen ohne Eltern: Wie Ehrenamtliche eine Lücke schließen
Kinder, die ohne Eltern aufwachsen, kennen Erwachsene oft nur als Betreuer, Erzieher oder Lehrer. Ein Kölner Verein will ihnen Erwachsene an die Seite stellen, die bleiben - und damit eine Lücke schließen.
Jeder zweite Samstag ist Katja-Tag für David. Dann wartet der 14-Jährige oft schon an der Tür seiner Wohngruppe auf die 58-Jährige aus Odenthal. Er wartet auf die Person, die nur für ihn da ist und nur mit ihm Zeit verbringen wird.
Katja ist Davids ehrenamtliche Wegbegleiterin - seit zwei Jahren verbringt die Mutter zweier erwachsener Kinder mindestens zwei Nachmittage im Monat mit dem Jungen, der selbst keine Familie mehr hat. "Er ist ein agiler, neugieriger und sehr interessierter Junge", sagt die 58-Jährige. "Eigentlich genauso, wie ein Kind sein sollte."
Mittendrin
16.04.2024
Eine ungewöhnliche WG in Rheinhessen: Hier leben Kinder, die nicht mehr bei ihren Eltern sein können.
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David heißt anders, aber um ihn zu schützen, nennen wir ihn hier David. Er lebt mit acht anderen Kindern in einer betreuten Wohngruppe im Rheinisch-Bergischen Kreis. Auch den genauen Ort, in dem David lebt, sollen wir nicht nennen.
Seine Erfahrungen mit Erwachsenen waren für ihn bisher oft enttäuschend. Er hat keinen Kontakt zu seinen leiblichen Eltern. Und auch die Pflegefamilie, bei der er mehrere Jahre lebte, bot ihm keinen Halt - stattdessen gab sie ihn in das betreute Wohnen - früher nannte man so etwas ein Heim. Dementsprechend klar ist seine Erwartung an Erwachsene: "Dass sie ganz normal sind, dass sie zuverlässig sind, man muss ihnen vertrauen können, das habe ich früher bei vielen vermisst. Dabei soll ich das ja auch sein: zuverlässig", sagt der 14-Jährige.
Zuverlässig, pünktlich, nett - so beschreibt er auch Katja. Wenn sie den schmalen Weg zum Haus, in dem David lebt, nach oben kommt, dann läuft er ihr meist schon entgegen und springt ihr in die Arme. Die Treffen mit ihr seien Highlights seiner Woche, berichten auch seine Erzieher.
Heute wollen David und Katja Badminton spielen. Sport ist ihre Gemeinsamkeit, beide bewegen sich gern. Manchmal gehen sie auch einfach nur spazieren oder bauen mit Lego.
Denn eigentlich ist für David nicht wichtig, was sie machen, sondern dass Katja etwas nur mit ihm macht. "Dann bin ich mal woanders, nicht immer nur in der Wohngruppe oder Schule. Und wir machen etwas Tolles, nur für uns." Er kennt Erwachsene vor allem als Menschen, die sich professionell um ihn kümmern: Betreuer, Erzieherinnen, Lehrer.