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Uralter Meteoriteneinschlag schuf Australiens „Spinnenkrater“
Helle Sandsteinrippen bilden im Norden Westaustraliens ein Muster, das an die Beine einer Spinne erinnert. Eine neue Satellitenaufnahme zeigt die stark erodierten Spuren eines wohl 600 bis 900 Millionen Jahre alten Meteoriteneinschlags. Untersuchungen deformierter Minerale liefern außerdem Hinweise darauf, dass der Einschlag schräg erfolgte.
Greenbelt (U.S.A.). Aus der Vogelperspektive wirkt die Landschaft im Kimberley-Gebiet wie ein riesiges Spinnennetz aus hellen Gesteinsrücken. Tatsächlich handelt es sich um den zentralen Teil einer uralten Einschlagsstruktur, deren ursprüngliche Form über Hunderte Millionen Jahre durch Erosion verändert wurde. Der sogenannte Spider-Krater ist daher kein unveränderter, scharf begrenzter Krater, sondern legt verformte Schichten des Untergrunds frei.
Bei einem großen Meteoriteneinschlag breiten sich Stoßwellen im Untergrund aus und sprengen eine Vertiefung in die Erdkruste. Während diese kurz darauf teilweise wieder in sich zusammensackt, kann sich das Gestein im Zentrum anheben. Später tragen Verwitterung und Erosion weniger widerstandsfähiges Material bevorzugt ab, sodass härtere Schichten hervortreten.
Der Erdbeobachtungssatellit Landsat 9 hat den Spider-Krater am 20. September 2026 mit seinem optischen Instrument Operational Land Imager (OLI) aufgenommen. Die National Aeronautics and Space Administration (NASA) veröffentlichte das Bild am 13. Oktober. Die gesamte ovale Einschlagsstruktur erstreckt sich über rund 13 mal elf Kilometer, während der besonders auffällige, spinnförmige Zentralbereich etwa vier Kilometer breit ist.
Die hellen „Beine“ bestehen aus Sandsteinrippen, die der Abtragung stärker widerstanden haben als das Gestein ihrer Umgebung. Sie verlaufen fächerartig um den angehobenen Kern und machen einst zusammengeschobene und gekippte Gesteinspakete sichtbar. Dass sich dieses Muster bis heute erkennen lässt, liegt somit am Zusammenwirken von Einschlagsverformung und lang andauernder Erosion.
Lange war umstritten, ob der auffälligen Formation tatsächlich ein kosmischer Treffer zugrunde liegt. Im Gelände entdeckten Geologen jedoch sogenannte Strahlenkegel, fein gerillte, kegelförmige Bruchstrukturen im Gestein. Solche Strukturen entstehen durch extreme Stoßwellen und gelten als charakteristischer Nachweis eines Einschlags. Damit ließ sich eine ältere Deutung als vulkanische Struktur widerlegen.
Zusätzliche Belege lieferten Forscher der Curtin University um Morgan A. Cox, die für eine 2021 veröffentlichte Studie Gesteine aus der Zentralzone untersucht haben. Das Team analysierte zwölf Proben entlang eines rund 1,6 Kilometer langen Profils und betrachtete dabei 453 Körner des Minerals Zirkon. In 19 dieser Körner fanden die Wissenschaftler charakteristische Zwillingsstrukturen, die auf hohe Stoßbelastungen hinweisen.
Besonders interessant war die räumliche Verteilung dieser Verformungen. Etwa 400 Meter vom Strukturzentrum entfernt lag der Anteil entsprechend veränderter Zirkone in den untersuchten Proben in einer vermuteten Bewegungsrichtung des Einschlagkörpers bei rund 15 Prozent, nahe dem Zentrum dagegen bei etwa fünf Prozent. Die stärksten erfassten Stoßspuren konzentrierten sich damit nicht genau in der Mitte.
Begleitende Modellrechnungen ergaben eine ähnliche Asymmetrie, wenn ein Himmelskörper schräg auf die Erdoberfläche trifft. Auch ältere geologische Kartierungen hatten einen solchen Ablauf als Erklärung für den ungewöhnlichen Aufbau des Kraters vorgeschlagen. Ein bestimmter Einschlagwinkel lässt sich daraus jedoch nicht sicher bestimmen, denn Gesteinsschichtung, örtliche Materialunterschiede und spätere Abtragung beeinflussen das erhaltene Muster.
Zudem deckten die Proben die vermutete Gegenrichtung nur begrenzt ab. Die numerischen Modelle zeigten vor allem die frühe Stoßphase und bildeten die spätere Ausbildung der zentralen Aufwölbung nicht vollständig nach. Die Spuren passen daher zu einem schrägen Einschlag, belegen aber keine eindeutige Flugbahn.