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Im US-Westen verschwanden seit Mitte des 20. Jahrhunderts über 300 Gletscher
Schwindende Reserven: Die Gletscher in den Gebirgen der zusammenhängenden USA haben seit Mitte des 20. Jahrhunderts rund ein Drittel ihrer Fläche und ihres Eisvolumens verloren. Mehr als 300 der einstigen Eiskörper sind ganz verschwunden, wie eine neue Bestandsaufnahme zeigt. Was noch übrig ist, überdauert vielerorts nur dank Schatten und zusätzlichem Lawinenschnee.
Portland (U.S.A.). Hoch über den Tälern des amerikanischen Westens speichern Gletscher Schnee und Eis über viele Jahre hinweg. Selbst an heißen, trockenen Spätsommertagen geben sie noch Schmelzwasser an Bäche ab. Doch dieser natürliche Wasserspeicher wird kleiner, weil steigende Temperaturen mehr Eis schmelzen lassen, als neu hinzukommt.
Wie viel Eis verloren gegangen ist, war für die gesamte Region lange schwer zu beziffern. Frühere Erhebungen konzentrierten sich häufig auf einzelne Gebirge oder die Größe der Gletscherflächen. Eine gemeinsame Bilanz von Anzahl, Ausdehnung und Volumen fehlte bislang für die zusammenhängenden US-Bundesstaaten.
Forscher der Portland State University (PSU) um Dr. Andrew G. Fountain haben nun historische Karten und Gletscherverzeichnisse mit neueren Messdaten verglichen. Die alten Angaben stammen unter anderem aus topografischen Aufnahmen des U.S. Geological Survey (USGS). Für die neueren Höhenprofile verwendeten sie Laseraufnahmen aus Flugzeugen und Radardaten von Satelliten, die überwiegend aus den 2010er-Jahren stammen.
Zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es in sechs westlichen US-Bundesstaaten noch mehr als 1.450 Gletscher. Sie nahmen zusammen rund 562 Quadratkilometer ein und lagen vor allem im Kaskadengebirge, in den Rocky Mountains und in der Sierra Nevada. Seither hat sich das Bild grundlegend verändert.
Wie die neue Auswertung zeigt, ist rund ein Viertel der einstigen Gletscher inzwischen verschwunden. Mehr als 300 Eisflächen gingen ganz verloren. Insgesamt büßten die Gletscher rund 35 Prozent ihrer Fläche und 33 Prozent ihres Eisvolumens ein. Auch viele der überlebenden Eisreste sind erheblich kleiner geworden.
Die Zahl der Gletscher allein bildet diesen Schwund allerdings nicht zuverlässig ab. Denn zerbricht ein großer Gletscher in mehrere getrennte Teilstücke, können auf der Karte plötzlich mehr Gletscher erscheinen. So nahm die Zahl der einzeln gezählten Gletscher in den nördlichen Kaskaden zu, obwohl ihre gemeinsame Eisfläche dort um rund ein Drittel schrumpfte.
Die Verluste verteilen sich nicht gleichmäßig über die Gebirge des amerikanischen Westens. In der kalifornischen Sierra Nevada verschwanden seit den 1970er-Jahren 64 Prozent der Gletscherfläche und 77 Prozent des Eisvolumens. Günstiger sind die Bedingungen am Mount Rainier und Mount Baker im Bundesstaat Washington, wo die Winter schneereicher und die Sommer vergleichsweise kühl sind.
Besonders schnell werden nach der Auswertung die Gletscher des Beartooth-Absaroka-Gebirges im Süden Montanas dünner: Sie verlieren etwa einen halben Meter Eisdicke pro Jahr. An den großen Gletschern des Mount Rainier und Mount Baker liegt der jährliche Verlust dagegen bei ungefähr 15 Zentimetern.
Für kleine Gletscher in den Rocky Mountains und der Sierra Nevada entscheidet dagegen oft die Geländeform über das Überleben. Viele befinden sich in schattigen Mulden unter steilen Felswänden. Dort trifft weniger Sonnenlicht auf das Eis, während Lawinen zusätzlichen Schnee eintragen und damit die sommerliche Schmelze teilweise ausgleichen können.