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Klimawandel: Die 1,5-Grad-Grenze könnte schon 2028 erreicht sein
Klima im Eiltempo: Zwischen 2011 und 2025 hat sich die Erde laut einer neuen Auswertung doppelt so schnell erwärmt wie im langjährigen Mittel. Setzt sich dieses Tempo fort, könnte die 1,5-Grad-Grenze bereits um 2028 überschritten werden. Allerdings ist diese Jahreszahl eine bedingte Hochrechnung und kein fester Termin.
Lawrence (U.S.A.). Seit dem Pariser Klimaabkommen gilt die Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit als wichtiges Klimaziel. Doch die globale Temperatur steigt nicht gleichmäßig. Schwankungen von Jahr zu Jahr erschweren es, eine dauerhafte Beschleunigung der Erwärmung von einzelnen Rekorden zu unterscheiden.
Wie frühere Analysen zeigen, gibt es bereits Hinweise darauf, dass der Temperaturanstieg zuletzt schneller geworden ist. Unklar blieb jedoch, ob sich diese Beschleunigung auch unmittelbar in den beobachteten Temperaturreihen nachweisen lässt. Denn kurzfristige Klimaeinflüsse wie El Niño können den langfristigen Trend verstärken oder zeitweise verdecken.
Forscher der University of Kansas (KU) um Dr. Qinjian Jin haben deshalb fünf große globale Temperaturdatensätze bis einschließlich 2025 ausgewertet. Sie verglichen die Trends von 1971 bis 2010 und von 1971 bis 2025 mit denen der jüngsten 15 Jahre. Statistische Verfahren sollten zeigen, ob die Unterschiede über die Schwankungsbreite der Daten hinausgehen.
Das Ergebnis: Zwischen 2011 und 2025 stieg die globale Mitteltemperatur im Schnitt um 0,40 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Von 1971 bis 2010 waren es lediglich 0,18 Grad, über den gesamten Zeitraum von 1971 bis 2025 etwa 0,20 Grad pro Jahrzehnt. In allen fünf Datensätzen liegt die jüngste Erwärmungsrate statistisch signifikant über dem früheren Tempo.
Allerdings besitzt die jüngste Schätzung wegen des kurzen Untersuchungszeitraums eine größere Unsicherheit: Ihr 95-Prozent-Vertrauensbereich reicht von 0,25 bis 0,49 Grad pro Jahrzehnt. Besonders die außergewöhnlich warmen Jahre 2024 und 2025 sind für den statistischen Nachweis entscheidend. Endet die Analyse bereits 2023, unterscheidet sich der Trend noch nicht eindeutig von dem der früheren Jahrzehnte.
Aus der jüngsten Erwärmungsrate haben die Wissenschaftler anschließend abgeschätzt, wann die globale 1,5-Grad-Marke erreicht sein könnte. Bleibt der Temperaturanstieg bei 0,40 Grad pro Jahrzehnt, ergibt sich ein rechnerisches Schwellenjahr 2028. Der statistische Unsicherheitsbereich reicht dabei von 2026 bis 2031. Legt man dagegen den langfristigen Trend von 1971 bis 2025 zugrunde, ergibt sich erst 2037.
Wichtig ist dabei die Definition: Gemeint ist nicht, dass die Temperatur genau im Kalenderjahr 2028 erstmals 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Als Überschreitungszeitpunkt gilt hier der Mittelpunkt eines 20-jährigen Zeitfensters, dessen Durchschnitt mindestens 1,5 Grad erreicht. Nach dieser Berechnung würde das betreffende Zeitfenster schon 2019 beginnen und sich bis in die 2030er Jahre erstrecken.
Ein einzelnes besonders warmes Jahr reicht dafür nicht. So lag die globale Jahresmitteltemperatur 2024 laut Weltorganisation für Meteorologie bereits rund 1,55 Grad über der vorindustriellen Vergleichszeit. Der langfristige Schwellenwert war damit aber nicht automatisch erreicht. Auch die neue Projektion ist keine eigenständige Zukunftssimulation, sondern eine Fortschreibung des zuletzt beobachteten Trends.
Die regionale Auswertung zeigt besonders stark beschleunigte Erwärmung in Ostasien und dem angrenzenden Nordpazifik, in den mittleren Breiten Eurasiens sowie im Südatlantik und der Antarktisregion. In einem Rechentest entfernten die Forscher die Temperaturtrends dieser drei Regionen aus der globalen Analyse. Dadurch verringerte sich die ermittelte Erwärmungsrate von rund 0,39 auf 0,26 Grad pro Jahrzehnt.