// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Hochbetagte Menschen, die Fleisch essen, werden häufiger 100 Jahre alt
Ernährung im hohen Alter: Wer jenseits der 80 kein Fleisch isst, erreicht laut einer chinesischen Beobachtungsstudie seltener das 100. Lebensjahr. Besonders deutlich war der statistische Zusammenhang bei untergewichtigen Menschen und bei Frauen. Ob der Fleischverzicht selbst dahintersteckt, bleibt jedoch offen, denn auch der Ernährungszustand könnte entscheidend sein.
Shanghai (China). Gemüse, Obst und andere pflanzliche Lebensmittel gelten als wichtige Bestandteile einer gesunden Ernährung. Für Hochbetagte könnte allerdings eine andere Frage hinzukommen: Bekommen sie genügend Energie und Nährstoffe, um Gewicht und Muskelmasse zu erhalten? Gerade bei Menschen über 80 Jahren kann ein zu geringes Körpergewicht die Gesundheit zusätzlich belasten.
Welche Rolle eine fleischlose Ernährung beim Erreichen eines außergewöhnlich hohen Alters spielt, war bisher jedoch kaum erforscht. Viele Untersuchungen konzentrieren sich auf Menschen im mittleren Lebensalter oder betrachten allgemein das Sterberisiko, nicht speziell das Erreichen des 100. Geburtstags.
Forscher des Chinese Center for Disease Control and Prevention (China CDC) um Prof. Xiaoming Shi haben deshalb gemeinsam mit Kollegen die Ernährung chinesischer Hochbetagter und ihren weiteren Lebensweg ausgewertet. Grundlage war der Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey (CLHLS), der seit 1998 Gesundheits- und Lebensdaten älterer Menschen in zahlreichen chinesischen Provinzen erhebt.
In die Auswertung gingen 5.203 mindestens 80-Jährige ein, deren Ernährungsgewohnheiten bei ihrer Aufnahme in die Untersuchung erfasst worden waren. Bis 2018 hatten 1.459 von ihnen das 100. Lebensjahr erreicht, 3.744 waren zuvor gestorben.
Die Forscher verglichen die Gruppen anhand ihrer Angaben zu Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten. Dabei berücksichtigten sie unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchen, Bewegung und Körpergewicht, um Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch abzufedern. Im Vergleich zu Allesessern lag das bereinigte Chancenverhältnis für das Erreichen von 100 Jahren bei fleischlos Essenden um 19 Prozent niedriger.
Dieser Wert ist eine statistische Kennzahl und bedeutet nicht, dass die tatsächliche Überlebenswahrscheinlichkeit um 19 Prozentpunkte sank. Bei rein pflanzlicher Ernährung fiel das Chancenverhältnis sogar um 29 Prozent niedriger aus. Dagegen ließ sich für Teilnehmer, die zwar kein Fleisch, aber Fisch oder Eier und Milchprodukte verzehrten, kein statistisch belastbarer Unterschied zu den Allesessern nachweisen.
Die auffälligsten Unterschiede zeigten sich beim Körpergewicht. Bei Menschen mit Untergewicht, definiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5, betrug das bereinigte Chancenverhältnis der Vegetarier gegenüber Allesessern 0,72. Bei normal- oder übergewichtigen Teilnehmern lag es dagegen bei 0,92 und unterschied sich statistisch nicht eindeutig von 1.
Allerdings war der Unterschied zwischen den beiden Gewichtsklassen selbst nicht statistisch eindeutig abgesichert. Deshalb lässt sich aus den Daten nicht sicher folgern, dass das Körpergewicht den Zusammenhang tatsächlich verändert.
Auch nach Geschlecht ergab sich ein Gegensatz: Bei Frauen war vegetarische Ernährung mit geringeren Chancen auf den 100. Geburtstag verbunden (Chancenverhältnis 0,71). Bei Männern fand das Team keinen entsprechenden Zusammenhang. Anders als beim Körpergewicht war der statistische Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Analyse nachweisbar.