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Marvel’s Visionquest nach 2 Folgen: Ein trauriger Schatten von Wandavision und Agatha all Along
Paul Bettany und James Spader kehren zurück, doch unter dem neuen Showrunner Terry Matalas bleibt die Marvel-Serie spürbar hinter den Erwartungen zurück.
WandaVision und Agatha All Along gehören zum Besten, was Marvel’s TV-Sparte auf die Beine gestellt hat. Durch Vision Quest sollten sie als eine Art Serientrilogie ihren Abschluss finden und natürlich habe ich mich wahnsinnig darauf gefreut. Schließlich waren die ersten beiden Kapitel spannende und irrwitzig wendungsreiche Geschichten mit endloser kreativer Energie und ordentlich emotionalem Punch. Jetzt kommen Paul Bettany als Vision und James Spader als Ultron mit viel Freude an ihren Rollen zurück und… es zündet trotzdem einfach nicht.
Der Grund dafür ist schnell ausgemacht. Mir liegt es fern, allzu garstig mit dem Finger auf Einzelpersonen zu zeigen, niemand macht absichtlich einen schlechten Job. Aber dass die Showrunnerin und Autorin von WandaVision und Agatha All Along, Jac Schaeffer, nicht mehr dabei ist, merkt man verhältnismäßig zügig. Vision Quest beginnt mit einem starken Ansatz und stellt vielversprechende Fragen, stützt sich im Verlauf aber sehr auf wortreiche Erklärungen und ausformulierte Schlussfolgerungen, damit wir auch ja nicht selbst nachdenken müssen.
"Show, don't tell" (Zeigen, nicht erzählen) ist ein zentrales Prinzip im Drehbuchschreiben. Statt innere Konflikte oder Plot-Entwicklungen über endlose Dialoge zu erklären, sollen diese durch Handlungen, visuelle Hinweise und clevere Inszenierung für das Publikum spürbar gemacht werden.
Ein Blick in die Personalien erklärt’s leider viel zu gut: Showrunner Terry Matalas hat schon in der dritten Season von Star Trek: Picard die alte “Show-don’t-tell”-Regel nur zu gern gebrochen, in Sekundenschnelle brenzlige Situationen mit viel zu passgenauen Lösungen entschärft und allgemein beliebiges Wünsch-dir-was-TV gemacht. Mich bringt das nun in die unangenehme Lage, dass ich wegen der vorangegangenen Serien einfach wissen muss, wie Visions Geschichte weitergeht, mir beim Zuschauen aber wahnsinnig verschaukelt und zum Teil infantilisiert vorkomme.
Bis zur Enthüllung der primären Nemesis war ich noch gut unterhalten: Visions – eigentlich White Visions – zurückgezogenes Leben als Pubangestellter in Schottland stimmt aufrichtig traurig. Sein Rückzugsort, eine realitätsverbiegende Simulation, in der Jarvis, Friday, Ultron und noch einige weitere Stark-KIs als Backups mit ihm zusammenleben und bestimmte Teile seiner Persönlichkeit symbolisieren, ist ein spannendes, anregendes Konstrukt. James D’Arcys Jarvis sehe ich immer gern und insbesondere im Duett sind Spader und Bettany wirklich ein Gewinn. Aber da hört es auch im Grunde schon auf.
Die Probleme beginnen just außerhalb von Visions innerem Zirkel. Todd Stashwick als Paladin wirkt nicht angemessen bedrohlich, um als ein spannungsfördernder Antagonist zu funktionieren, und als man ihn endlich im Kostüm sieht, erscheint er sogar noch lächerlicher, Adamantium-Kugeln in der Schrotflinte hin oder her. Wir sehen ihn zu viel reden und planen – zusammen mit einer verschenkten Diane Morgan (aka “Philomena Cunk”) – und werden dabei nicht einer Aktion Zeuge, die clever oder irgendwie formidabel anmutet.
Was den Schauspieler angeht, der Visions und Wandas mutmaßlichen Sohn Tommy spielt – Ruaridh Mollica –, der wirkt wechselweise entweder überfordert oder überspielt so manches mit einer Nervosität, die mich persönlich kirre machte. Wobei man sagen muss, dass die Autoren und der Schnitt ihm keinen Gefallen tun, wenn sie ihn wiederholt ausufernd (zu Expositionszwecken, weshalb sonst) seine Persönlichkeitsspaltung erklären lassen. Sein Bruder (Fans wissen, wer gemeint ist – wer es nicht weiß, schaut gefälligst Agatha), hat deutlich weniger Mühe, Natürlichkeit und Charisma auf den Bildschirm zu übersetzen. Bleiernen Fußes stapft so der Plot voran und wer sowohl WandaVision als auch Agatha All Along gesehen hat, wird vollkommen überrollt von längst bekannten Dingen. Das ist alles a