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Wie viel Land wird weltweit für den Naturschutz genutzt?
Übersehener Naturschutz: Offiziell gelten derzeit nur 18,5 Prozent der weltweiten Landfläche als geschützt oder erhalten. Eine neue Hochrechnung deutet jedoch darauf hin, dass bereits rund 26,8 Prozent in Schutzgebieten oder vergleichbar bewirtschafteten Flächen liegen könnten. Viele dieser Gebiete sind international nicht erfasst. Zugleich bleiben wichtige Lebensräume trotz des größeren Flächenanteils unzureichend geschützt.
Canterbury (England). Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der Landflächen und Binnengewässer sowie 30 Prozent der Meeresgebiete wirksam geschützt werden. Darauf haben sich die Staaten im weltweiten Biodiversitätsabkommen von 2022 verständigt. Doch die offiziellen Zahlen lassen das Ziel noch weit entfernt erscheinen: Bislang sind nur rund 18,5 Prozent der Landfläche in internationalen Datenbanken als geschützt oder erhalten erfasst.
Das muss nicht heißen, dass auf dem übrigen Land keinerlei Naturschutz stattfindet. Denn nationale Register enthalten auch Gebiete, die von Gemeinden, indigenen Gemeinschaften, privaten Eigentümern oder anderen Trägern für die Artenvielfalt erhalten werden. Viele dieser Flächen fehlen bislang in der internationalen Statistik. Wie viel Land dadurch übersehen wird, war jedoch unklar.
Forscher der University of Kent um Prof. Robert J. Smith haben nun untersucht, wie groß dieser blinde Fleck ist. Statt sich nur auf globale Schutzgebietskarten zu verlassen, haben sie internationale und nationale Flächendaten miteinander abgeglichen. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass die Welt dem Flächenziel des Naturschutzes bereits deutlich näher sein könnte als bisher angenommen.
Dazu wertete das Team zwei globale und 65 nationale beziehungsweise regionale Datensätze aus. Das Untersuchungsgebiet umfasste neun vollständige Länder und Territorien sowie Teilgebiete von weiteren 16 Staaten. Zusammen repräsentierten diese Regionen rund zehn Prozent der weltweiten Landfläche. Die Forscher wählten die Gebiete so aus, dass sie unterschiedliche Ökosysteme, Höhenlagen und gesellschaftliche Bedingungen möglichst gut abbilden, und rechneten ihre Ergebnisse anschließend auf die ganze Welt hoch.
Die Berechnungen beruhen auf dem Datenstand von 2022. Damals waren weltweit 15,79 Prozent der Landfläche offiziell als Schutzgebiet registriert. Nach der Analyse kamen jedoch weitere 3,64 Prozentpunkte hinzu, die zwar national als Schutzgebiete gelten, international aber nicht erfasst waren. Weitere 7,38 Prozentpunkte entfallen auf Flächen, die möglicherweise als andere wirksame gebietsbezogene Naturschutzmaßnahmen anerkannt werden könnten. Das ergibt zusammen 26,81 Prozent.
Damit könnten rechnerisch nur noch gut drei Prozentpunkte zum Flächenziel für 2030 fehlen. Allerdings handelt es sich nicht um eine vollständige globale Bestandsaufnahme, sondern um eine Hochrechnung aus ausgewählten Regionen. Die heutigen offiziellen 18,5 Prozent sind zudem ein neuerer Vergleichswert als die für die Analyse verwendeten Daten von 2022.
„Vier Jahre vor Ablauf der Frist scheint das 30-Prozent-Ziel für die Landflächen unerreichbar. Unsere Analyse legt nahe, dass bereits viel mehr Land in irgendeiner Form als Naturschutzfläche dient, als bislang anerkannt wird“, erklärt Helen M. K. O’Neill von der Zoological Society of London (ZSL).
Doch mehr Fläche bedeutet nicht automatisch mehr Schutz für bedrohte Arten. Die Auswertung zeigt, dass die zusätzlichen Naturschutzflächen vielfach in Landschaften liegen, die auch bislang schon relativ gut vertreten sind. Besonders hoch ist die Abdeckung beispielsweise in Polarregionen und Hochgebirgen. Grasländer, Savannen und Buschland sind dagegen in vielen Teilen der Welt weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Für die genauere Auswertung verglichen die Forscher außerdem 173 ökologische Regionen innerhalb ihrer Stichprobe. Selbst unter Berücksichtigung der zusätzlichen Flächen erreichten 51 dieser Regionen keine Schutzabdeckung von zehn Prozent. Die übersehenen Gebiete schließen somit einen Tei