// STADT-BREMERHAVEN — MOBILE & WEB
Automobilindustrie: Deutschland und Frankreich planen Lockerung beim Verbrenner-Aus und mehr EU-Förderung
von Carsten Knobloch
16. Okt. 2026 |
22
Deutschland und Frankreich haben eine gemeinsame Presseerklärung zur Zukunft der europäischen Automobilindustrie veröffentlicht. Die beiden Länder schlagen ein umfassendes Paket vor, das den Herstellern bei den CO2-Flottengrenzwerten mehr Luft verschaffen und gleichzeitig die heimische Produktion von Elektrofahrzeugen vor internationaler Konkurrenz schützen soll.
Der wichtigste Punkt betrifft das für 2035 anvisierte Verbrenner-Aus. Bislang sah die Planung vor, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2035 im Vergleich zu 2021 komplett auf null zu senken. Die EU-Kommission hatte zuletzt bereits ein Absenken um 90 Prozent ins Spiel gebracht, wollte die verbleibenden zehn Prozent aber über Ausgleichsmaßnahmen wie synthetische Kraftstoffe oder grünen Stahl kompensieren lassen.
Berlin und Paris schlagen nun vor, das Ziel für 2035 auf 90 Prozent festzulegen, ohne dass Hersteller die verbleibenden zehn Prozent rechnerisch ausgleichen müssen. Das würde den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieben auch nach 2035 in gewissem Rahmen weiter ermöglichen. Zudem sollen die Zwischenziele für 2030 und 2031 zusammengefasst werden, damit Hersteller mehr Flexibilität beim Übergang haben und Strafzahlungen vermeiden können. Auf starre, EU-weit verpflichtende Quoten für die Elektrifizierung von Firmenwagenflotten wollen die beiden Staaten ebenfalls verzichten.
Im Gegenzug für die Lockerungen bei den Abgaswerten drängt man auf eine stärkere Bevorzugung europäischer Hersteller. Staatliche Kaufprämien, Hilfen beim Leasing und öffentliche Aufträge sollen ab 2028 an Kriterien für eine Fertigung innerhalb der EU gekoppelt werden.
Vorgesehen ist unter anderem, dass Fahrzeuge in Europa endmontiert werden und mindestens 70 Prozent der Wertschöpfung bei den Komponenten (die Batterie zunächst ausgenommen) aus der EU stammen müssen. Parallel dazu wollen beide Länder die Forschung und den Aufbau von Batteriezellfabriken in Europa gezielt unterstützen, um unabhängiger von Importen aus Asien zu werden.
Bei dem Papier handelt es sich um eine abgestimmte Verhandlungsposition der beiden Regierungen. Damit die Pläne Gesetz werden, müssen sich Deutschland und Frankreich mit den restlichen EU-Mitgliedstaaten im Rat sowie mit dem Europäischen Parlament einigen. Die Verhandlungen dazu dürften in den kommenden Monaten für reichlich Diskussionsstoff sorgen, sicher nicht nur bei den Politikern, auch in den Kommentarspalten.
Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kauft ihr darüber ein, erhalten wir eine kleine Provision - ohne Aufpreis für euch und ohne Einfluss auf unsere redaktionelle Meinung.