// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Wie haben Steinzeitmenschen den größten Vulkanausbrüche seit der Eiszeit überlebt?
Verheerender Ausbruch, überraschende Folgen: Vor rund 7.300 Jahren verwüstete der Kikai-Akahoya-Vulkan Teile Japans. Doch eine neue Analyse archäologischer Daten zeigt, dass die Bevölkerung nicht überall zusammenbrach. Während die Menschen im Süden Kyushus stark zurückgingen, wuchsen manche Gemeinschaften im Nordwesten sogar weiter. Möglicherweise halfen ihnen Küstenressourcen und Zuwanderung.
Lund (Schweden). Als die Kikai-Caldera südlich der japanischen Insel Kyushu ausbrach, veränderte sie ganze Landschaften. Heiße Glutströme, gewaltige Tsunamis und Ascheablagerungen machten weite Teile des Südens für lange Zeit unwirtlich. Der Ausbruch zählt zu den größten Vulkanereignissen seit der letzten Eiszeit.
Für die dort lebenden Jōmon-Gemeinschaften, die ihre Nahrung durch Jagd, Sammeln und Fischfang gewannen, bedeutete dies einen tiefen Einschnitt. Archäologen diskutierten bislang, ob die Katastrophe ganze Siedlungstraditionen beendete oder ob Gemeinschaften trotz der Verwüstung überlebten. Doch beide Vorstellungen erfassen offenbar nur einen Teil der Geschichte.
Forscher der University of Cambridge um Prof. Enrico R. Crema haben nun 540 Radiokarbondatierungen von archäologischen Fundstellen in Japan ausgewertet. Die Häufigkeit solcher Altersbestimmungen organischer Überreste liefert indirekte Hinweise auf frühere Bevölkerungsentwicklungen. Mithilfe zweier statistischer Modelle verglich das Team 61 Regionen in jeweils rund 750 Jahren vor und nach dem Ausbruch.
„Dieser Ausbruch muss verheerend gewesen sein, als der Vulkan ohne große Vorwarnung vom Meeresboden aus explodierte. Er erschütterte die japanischen Inseln mit starken Erdbeben und gewaltigen Tsunamis und bedeckte die Landschaft anschließend meterhoch mit Vulkanasche“, erklärt Prof. Peter D. Jordan von der Lund University (LU).
Im südlichen und mittleren Kyushu zeigen die Datierungen deutliche Hinweise auf einen Bevölkerungseinbruch. Allerdings hatte der Rückgang im Süden offenbar schon vor der Katastrophe begonnen. Der Ausbruch könnte damit eine bereits laufende Entwicklung verstärkt haben, statt sie allein auszulösen.
Im Norden und Nordwesten der Insel verlief es anders. Dort setzte sich das zuvor erkennbare Bevölkerungswachstum fort, örtlich könnte es sich nach dem Ausbruch sogar beschleunigt haben. Auch an Abschnitten der nördlichen Westküste Honshus blieben die Wachstumstrends erhalten. Das widerspricht der Vorstellung, dass sämtliche Regionen in Vulkannähe entvölkert wurden.
„Die Katastrophe forderte viele Menschenleben. Die Überlebenden wanderten jedoch ab, knüpften neue soziale Beziehungen, entwickelten neuartige Wirtschaftsformen und scheinen kreative Wege gefunden zu haben, unter den veränderten Bedingungen nach der Katastrophe zu leben und später zu gedeihen“, erklärt Prof. Enrico R. Crema.
Eine denkbare Erklärung: Menschen aus verwüsteten Binnenregionen und dem stark betroffenen Süden zogen nach Norden. Dort könnten sie sich bereits bestehenden Gemeinschaften angeschlossen haben. Fischfang und andere Meeresressourcen waren an vielen Küsten möglicherweise schneller wieder verfügbar als Nahrung im aschebedeckten Landesinneren.
Allerdings lässt sich mit Radiokarbondaten nicht unmittelbar nachweisen, wer wohin wanderte. Auch ein natürliches Wachstum der örtlichen Bevölkerung oder ein Zuzug aus weniger stark geschädigten Gebieten könnte die Muster erklären. Die vermutete Fluchtbewegung bleibt daher eine plausible, aber nicht direkt belegte Deutung.