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Weltraumteleskop Euclid entdeckt erstmals einen neuen Kometen
Das europäische Weltraumteleskop Euclid hat erstmals einen zuvor unbekannten Kometen entdeckt. Aufnahmen aus dem September 2026 zeigen den Himmelskörper C/2026 S1 (Euclid), dessen Entdeckung am 8. Oktober offiziell bestätigt wurde. Ungewöhnlich ist der Fund, weil Euclid eigentlich ferne Galaxien kartiert und bewegliche Objekte des Sonnensystems möglichst aus seinen Bildern heraushalten soll.
Paris (Frankreich). Das 2023 gestartete Weltraumteleskop Euclid hat eine andere Hauptaufgabe als die Suche nach Kometen. Es vermisst die Verteilung und Gestalt von Milliarden Galaxien, um die Dunkle Materie und Dunkle Energie im Universum besser zu erforschen. Dabei entstehen großflächige, empfindliche Bilder von Himmelsregionen, in denen sich auch Objekte unseres Sonnensystems zeigen können.
Kometen bestehen aus gefrorenen Stoffen, Staub und Gestein. Wenn aus ihnen Gas und Staub austreten, bildet sich um ihren Kern eine diffuse Hülle, die sogenannte Koma. Diese unterscheidet einen aktiven Kometen von vielen gewöhnlichen Asteroiden, die auf den ersten Blick ebenfalls nur kleine Lichtpunkte bilden.
Entdeckt wurde der neue Himmelskörper bei der automatischen Auswertung von Euclid-Bildern. Mikko Pöntinen von der Universität Helsinki hatte eine Software entwickelt, die nach den Spuren bewegter Objekte sucht. Sie erkannte in mehreren Bildern einen schmalen Lichtstreifen. Aus der Bewegung ließ sich die nächste Position vorhersagen und das Objekt in weiteren Aufnahmen identifizieren.
Insgesamt erschien der Komet vom 16. bis zum 24. September 2026 in fünf Beobachtungsfeldern. Dort wurde er bei 16 einzelnen Belichtungen erfasst. Die Daten zeigten nicht nur seine Bewegung, sondern auch eine verschwommene Umgebung, wie sie für einen gas- und staubabgebenden Kometen typisch ist.
Ein Abgleich mit bekannten Kometen und Asteroiden ergab keine Übereinstimmung. Die Entdeckung wurde deshalb an das Minor Planet Center gemeldet, das internationale Beobachtungen kleiner Himmelskörper sammelt. Auch Bodenteleskope verfolgten das Objekt. Am 8. Oktober 2026 erschien die Bestätigung unter der offiziellen Bezeichnung C/2026 S1 (Euclid) im astronomischen Rundschreiben MPEC 2026-T146.
Zur Zeit der Bekanntgabe war der Komet etwa 1,3 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Die Messdaten zeigen eine stark geneigte Bahn, die nahezu senkrecht zur Ebene der Planeten verläuft. Nach den bisher vorliegenden Bahnbestimmungen benötigt C/2026 S1 (Euclid) für einen Umlauf um die Sonne viele Jahrtausende. Die genaue Umlaufzeit bleibt vorläufig, weil zusätzliche Beobachtungen die Bahnberechnung noch verändern können.
Gerade die Position fern der Planetenebene macht die Entdeckung bemerkenswert. Euclid vermeidet bei seiner Durchmusterung bewusst den Bereich entlang dieser Ebene, weil Staub in unserem Sonnensystem die Messungen lichtschwacher Galaxien stören kann. Hinzu kommt, dass das Teleskop eine Himmelsregion normalerweise nur einmal untersucht. Mehrfache Aufnahmen eines bestimmten Kometen lassen sich deshalb nicht gezielt einplanen.
Der Fund zeigt, dass auch ein auf die Galaxienforschung spezialisiertes Teleskop neue Kleinkörper entdecken kann. Dafür müssen Bildauswertung, Positionsvorhersage und rasche Nachbeobachtung ineinandergreifen. Der neue Komet ist damit nicht nur ein astronomisches Objekt, sondern zugleich ein praktischer Test für die Zusammenarbeit zwischen Weltraummission und erdgebundenen Beobachtern.
Davon könnte künftig die europäische Mission Comet Interceptor profitieren. Die geplante Raumsonde soll nach ihrem Start zunächst im All auf einen passenden, möglichst ursprünglichen Kometen warten. Wenn ein Ziel gefunden ist, sollen ein Hauptfahrzeug und zwei kleinere Sonden dessen Kern sowie die Gas- und Staubhülle aus verschiedenen Richtungen untersuchen.