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Geothermiekraftwerk am Unterwasservulkan hat erstmals Stromüberschuss erzielt
Am Grund des Pazifiks hat ein geothermischer Prototyp die Hitze eines Unterwasservulkans in elektrische Energie verwandelt. Nach Angaben des Betreibers erzeugte die Anlage 8,7 Sekunden lang mehr Leistung, als sie selbst verbrauchte. Der kurze Test gelang allerdings nicht mit dem eigens gebohrten Brunnen, sondern erst an einer natürlichen Heißwasserquelle.
Seattle (U.S.A.). Tief unter dem Ozean strömt Meerwasser durch vulkanisch aufgeheiztes Gestein und tritt an hydrothermalen Quellen wieder aus. Diese Wärme könnte grundsätzlich auch Turbinen zur Stromerzeugung antreiben. Die Bedingungen am Meeresgrund erschweren die Nutzung allerdings, weil Technik, Wartung und Stromtransport in großen Wassertiefen stattfinden müssten.
Ein Beispiel dafür ist der Axial Seamount rund 480 Kilometer vor der Küste Oregons. Der aktive Unterwasservulkan liegt etwa 1.500 Meter unter dem Meeresspiegel und wird seit Jahren von einem wissenschaftlichen Kabelobservatorium überwacht. Dort hat das Unternehmen Endurance Energy im September 2026 einen dreiwöchigen Feldversuch mit seinem Prototyp Adélie unternommen.
Zunächst brachte das Team ein spezielles Bohrgerät auf den Grund des Vulkankraters. Zwei nahe beieinander liegende Bohrungen erreichten heißes hydrothermales Wasser. Den zweiten Schacht kleideten die Techniker aus, zementierten ihn und versahen ihn mit einem Ventil. So entstand nach Firmenangaben ein rund 16 Meter tiefer Geothermiebrunnen mit etwa fünf Zentimetern Durchmesser.
Das Wasser floss mit einer Temperatur von rund 260 Grad Celsius aus dem Bohrloch. Zugleich setzte das Team die etwa drei Tonnen schwere Versuchsanlage ab, die über ein vorhandenes Unterwasserkabel mit einer Leitstelle in Seattle verbunden war. Dieses Netz gehört zum wissenschaftlichen Regional Cabled Array (RCA), das von der University of Washington (UW) betrieben wird.
Das Kraftwerk nutzt einen Wärmetauscher, der die Energie des heißen Wassers an eine separate Arbeitsflüssigkeit überträgt. Diese verdampft und treibt eine Turbine mit Generator an, bevor kaltes Meerwasser sie wieder abkühlt. Die Anlage ist für eine Leistung von 100 Kilowatt ausgelegt, doch dieser Wert beschreibt nur die vorgesehene Kapazität und nicht die im Feldversuch erreichte Stromerzeugung.
Die Bohrung lieferte nicht genügend heißes Wasser für den Betrieb der Turbine. Deshalb verlegten die Ingenieure den Prototyp an einen natürlichen hydrothermalen Austritt in unmittelbarer Nähe. Dort strömte rund 281 Grad Celsius heißes Wasser aus dem Gestein, sodass das Team den Stromerzeuger am 27. September starten konnte.
Nach Angaben des Unternehmens erreichte die Turbine etwa 26.000 Umdrehungen pro Minute. Über rund 29 Sekunden erzeugte das System insgesamt etwa 60 Wattstunden Strom. Nur während 8,7 Sekunden fiel die Leistungsbilanz positiv aus. Der Median der Nettoleistung lag in dieser Phase bei rund zwei Kilowatt, der kurzzeitige Spitzenwert bei 16,5 Kilowatt.
Für die Entwickler war die positive Bilanz ein erster technischer Funktionsnachweis. Firmengründer und Geschäftsführer Andrew Redd beschreibt das zentrale Prüfziel.
„Die entscheidende Frage war, ob das System mehr Strom erzeugen kann, als es verbraucht“, erklärt Andrew Redd.