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Vor Wahl in Israel: Ex-General Eisenkot könnte Netanjahu schlagen
Vor der Wahl in Israel zeichnet sich ein knappes Rennen ab. Während Amtsinhaber Netanjahu auf Polarisierung setzt, versucht sein Herausforderer Eisenkot, die gesellschaftliche Spaltung zu überwinden. Wer ist der Ex-Militär?
Es ist ein hochemotionaler Tag in Re'im im Süden Israels. Drei Jahre nach dem verheerenden Überfall der Terrororganisation Hamas auf das Nova-Musikfestival haben sich die Familien der Opfer am Rande des Gazastreifens versammelt.
Mittendrin steht ein unauffälliger Mann mit kurzen, weißen Haaren im schlichten schwarzen Hemd: Gadi Eisenkot. Während um ihn herum Hunderte Tafeln mit den Gesichtern der mehr als 350 Getöteten im Wind stehen, sucht der Politiker das Gespräch mit den Trauernden.
"Ich hoffe, dass uns dieser Tag stärker macht und uns noch enger zusammenschweißt", sagt Eisenkot ruhig. Er ist kein Mann der lauten Inszenierung oder der langen Worte. Würde er nicht von Fotografen umringt, er fiele zwischen den trauernden Angehörigen kaum auf. Doch seine Worte haben für die Menschen hier Gewicht - denn Eisenkots eigener Schmerz ist echt.
Premier Netanjahu kämpft um eine weitere Amtszeit.
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Im Dezember 2023 verlor der ehemalige Generalstabschef seinen 25-jährigen Sohn Gal bei den Kämpfen im Gazastreifen; wenig später fielen auch zwei seiner Neffen. Eisenkot saß zu diesem Zeitpunkt als Beobachter im Kriegskabinett und musste vor den Augen der Öffentlichkeit um sein eigenes Kind trauern. Kurz darauf trat er aus dem Kabinett aus.
Heute hat er die persönliche Tragödie zu einer politischen Mission gemacht. Sein zentrales Wahlkampfversprechen lautet, das beispiellose Sicherheitsversagen vom 7. Oktober lückenlos durch eine unabhängige, staatliche Untersuchungskommission aufzuarbeiten.
"Er hat aus der Familientragödie eine Lebensmission gemacht", erklärt Liane Pollack-David, die auf Platz 25 seiner Kandidatenliste steht. "Er bringt uns die Hoffnung, dass wir das nächste Kapitel für Israel aufschlagen."
Eisenkots neu gegründete Partei trägt den Namen Jaschar, was übersetzt "Geradeaus" oder "Vorwärts" bedeutet. Die Bewegung zieht ein ungewöhnlich breites Spektrum an: Säkulare, Religiöse, Menschen aus allen Landesteilen. Sogar enttäuschte Wähler aus den traditionellen Hochburgen der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wechseln das Lager.
So wie Stella Abidan, die 24 Jahre lang den Likud wählte und sich nun von Netanjahu betrogen fühlt: "Er hat nichts für unsere Sicherheit getan und nichts unternommen, um den 7. Oktober zu verhindern. Mit dieser Regierung kann man nicht weitermachen."