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KI-manipulierte Bilder können bei Menschen falsche Erinnerungen erzeugen
Trügerische Rückblicke: Wenn künstliche Intelligenz Fotos verändert, kann sich auch die Erinnerung an deren ursprünglichen Inhalt verschieben. In einem Experiment mit 200 Erwachsenen machten Versuchspersonen nach der Vorführung manipulierter und animierter Bilder gut doppelt so viele falsche Angaben wie die Kontrollgruppe. Die Ergebnisse werfen Fragen zum Umgang mit digitalen Bildzeugnissen auf.
Irvine (U.S.A.). Fotos gelten als Gedächtnisstützen, weil sie scheinbar festhalten, was tatsächlich geschehen ist. Doch ein erneuter Blick auf ein Bild kann die Erinnerung verändern, besonders wenn dessen Details manipuliert wurden. Künstliche Intelligenz (KI) erleichtert solche Eingriffe inzwischen erheblich.
Schon frühere psychologische Experimente zeigten, dass irreführende Informationen und nachträglich veränderte Fotos die Erinnerung beeinflussen können. Bisher war jedoch unklar, wie sich moderne KI-Bildbearbeitung und aus Fotos erzeugte Kurzvideos auf das Erinnern zuvor betrachteter Szenen auswirken.
Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben diesen Einfluss gemeinsam mit Kollegen in einem kontrollierten Experiment untersucht. Dafür sahen 200 Erwachsene aus den USA zunächst 24 Fotografien, beispielsweise von einer Hochzeit, einer Straßenszene oder einem Sportwettkampf. Nach einer kurzen Ablenkungsaufgabe wurden sie vier Gruppen mit jeweils 50 Personen zugeteilt.
Die erste Gruppe betrachtete die unveränderten Fotos erneut. Die zweite sah Bilder, auf denen eine KI bestimmte Einzelheiten abgeändert hatte. Die dritte Gruppe bekam aus unveränderten Fotos erzeugte Videos zu sehen, während der vierten bewegte Versionen der bereits manipulierten Bilder gezeigt wurden.
Bei den Eingriffen veränderte die KI unter anderem Gesichtsausdrücke, fügte Personen oder Gegenstände hinzu und passte die Umgebung an. In den bearbeiteten Bedingungen blieb ein Teil der Motive unverändert, um die Gruppen zusätzlich vergleichen zu können.
Anschließend sollten die Teilnehmer Fragen zu den ursprünglich betrachteten Bildern beantworten und die Sicherheit ihrer Angaben einschätzen. Als falsche Erinnerung zählte dabei eine Antwort, die vom tatsächlich zuerst gezeigten Bild abwich. Der Test erfasste somit fehlerhafte Erinnerungen an Bilddetails, nicht nachweislich dauerhaft eingepflanzte Erlebnisse aus dem eigenen Leben.
Die Unterschiede waren deutlich: Bei zwölf gezielt geprüften Bilddetails lagen die falschen Angaben in der Kontrollgruppe im Mittel bei rund 2,3. Nach dem Betrachten KI-bearbeiteter Standbilder waren es rund 3,8. Die Gruppe mit Videos aus manipulierten Fotos kam auf durchschnittlich 4,6 falsche Antworten und damit auf gut das Doppelte des Kontrollwerts.
Die beiden Gruppen mit KI-veränderten Bildinhalten unterschieden sich statistisch signifikant von der Kontrollgruppe. Die bloße Animation unveränderter Fotos ergab hingegen im Mittel rund 2,8 Fehler. Für diesen Vergleich mit der Kontrollgruppe weist die Studie keinen entsprechend gesicherten Unterschied aus.
Auch die Gewissheit über falsche Antworten änderte sich. Wer Videos aus KI-manipulierten Bildern gesehen hatte, bewertete seine fehlerhaften Erinnerungen im Mittel um rund 19 Prozent sicherer als die Kontrollpersonen. Selbst ein überzeugter Rückblick auf eine Szene ist demnach kein verlässlicher Hinweis, dass die Details tatsächlich so zu sehen waren.