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Linux 7.3 bricht Rekorde – auch dank KI
Mit der Veröffentlichung von Linux 7.3 setzt sich die Reihe der Rekordzahlen der letzten Veröffentlichungen fort. Der Entwicklungszyklus von Linux 7.3 bricht nahezu alle bisherigen Rekorde. Erstmals wurden mehr als 20.000 Commits integriert. Einen erheblichen Anteil am Wachstum haben offenbar KI-unterstützte Beiträge, die bei den Kernel-Maintainern zunehmend für Diskussionen sorgen.
Fast 920.000 neue Codezeilen kamen hinzu, rund 270.000 wurden entfernt. Unter dem Strich wuchs der Kernel damit um etwa 650.000 Zeilen. Auch die Zahl der beteiligten Entwickler erreichte mit 3.021 einen neuen Höchststand. Der Rekord von 2.652 Entwicklern aus dem vorherigen Entwicklungszyklus hielt damit gerade einmal eine Kernel-Version lang. Besonders bemerkenswert ist die Zahl der Neulinge: 807 Entwickler steuerten erstmals Code bei. Mehr als jeder vierte Beitragende war damit zum ersten Mal an der Kernel-Entwicklung beteiligt.
Zu diesem Wachstum trägt zunehmend der Einsatz großer Sprachmodelle (LLMs) bei. Wie LWN in seiner Analyse des Entwicklungszyklus (derzeit noch hinter einer Paywall) berichtet, beteiligten sich allein 92 Entwickler des chinesischen Unternehmens Kylinsoft, das die Linux-Distribution Kylin OS entwickelt, an Linux 7.3. Die meisten steuerten nur wenige Patches bei. Offenbar arbeiten viele von ihnen systematisch Listen von Fehlern ab, die zuvor mithilfe von LLMs identifiziert wurden.
Dabei beschränken sich die Beiträge keineswegs auf triviale Korrekturen wie die Beseitigung von Tippfehlern. Auch wichtige Kernel-Subsysteme sind betroffen. Nach Einschätzung von LWN verstehen manche der neuen Entwickler den Code, den sie mithilfe von Sprachmodellen verändern, nicht ausreichend. Das wirft Fragen nach der Qualität der eingereichten Patches und der langfristigen Wartbarkeit des Kernels auf.
Befürworter automatisierter Codeprüfungen argumentieren, dass sich die Qualität eingereichter Patches durch KI-gestützte Reviews verbessern lasse. Dadurch könnten Maintainer mehr Änderungen mit geringerem manuellem Prüfaufwand übernehmen.
Ob diese Annahme zutrifft, lässt sich derzeit kaum beurteilen. Viele Fehler zeigen sich erst nach Jahren. LWN weist zudem darauf hin, dass die Maintainer bereits Schwierigkeiten haben, mit der wachsenden Zahl eingereichter Änderungen Schritt zu halten. Eine größere Menge an Patches bedeutet schließlich nicht zwangsläufig eine höhere Codequalität.
Ein Ende dieser Entwicklung ist vorerst nicht absehbar. Zu Beginn des Merge-Fensters für Linux 7.4 warteten bereits fast 16.000 Änderungen ohne Merge-Commits im Integrationszweig linux-next auf ihre Übernahme. Damit könnte der gerade aufgestellte Rekord von Linux 7.3 schon mit der nächsten Kernel-Version wieder fallen.
Die zunehmende Nutzung von LLMs verändert die Kernel-Entwicklung somit grundlegend. Ob automatisierte Werkzeuge langfristig zu einem besseren Kernel führen oder die Maintainer mit zusätzlicher Arbeit belasten, bleibt derzeit eine offene Frage.
KI als Unterstützung bei der Schwachstellensuche finde ich okay. Aber “Nach Einschätzung von LWN verstehen manche der neuen Entwickler den Code, den sie mithilfe von Sprachmodellen verändern, nicht ausreichend” lässt mich wieder ratlos zurück. Und Antwort auf diese Herausforderung kann nicht KI sein.