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Medienbildung im Praxistest: Social-Media-Führerschein in Niedersachsen
Medienkompetenz soll vor den Gefahren von Social Media schützen. Per Schulpflicht sind fast alle Heranwachsenden erreichbar, aber was passiert in den Schulen?
(Bild: Stokkete / Shutterstock.com, bearbeitet mit Creative Flow von heise online)
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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
In der Debatte um Social-Media-Verbote für Heranwachsende unter 16 Jahren wird das Erlangen von Medienkompetenz als wichtigstes Rüstzeug herausgestellt, um den Gefahren von Social Media nicht völlig schutzlos ausgeliefert zu sein. Dass Medienbildung allein nicht ausreicht, wird aber auch vielfach betont. Dass sie auch nicht flächendeckend und nach abgestimmten Qualitätskriterien Eingang in die schulische Arbeit findet, ist zudem Realität. In Niedersachsen will man dem Bedarf an Medienbildung seit diesem Schuljahr mit einem Social-Media-Führerschein für Schülerinnen und Schüler begegnen.
Das Materialpaket für die Schulen heißt „Social Media Pass“ und kommt vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ). Heise online konnte mit Hans-Jakob Erchinger sprechen, der sowohl Lehrkraft als auch Mitarbeiter des NLQ ist und auch schon bei der Entwicklung des Materials beratend mitwirkte. Er hat das Materialpaket mit einer siebten und achten Klasse ausprobiert und später noch eine zehnte Klasse in das Projekt eingespannt. Das Besondere an dem Konzept: Im Unterricht dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones mit bekannten Social-Media-Apps benutzen, werden aber auch gezielt in die Konfrontation geschickt. Erchinger erlebte bei seinem Praxisversuch auch schwierige Momente.
Das Materialpaket für den „Social Media Pass“ wurde Interessierten bereits am Tag der Medienkompetenz in Niedersachsen 2025 vorgestellt. In Gruppen konnten wir Erwachsenen selbst ein paar der Aufgaben ausprobieren. Sie haben dieses Paket nun auch im eigenen Unterricht mit der eigentlichen Zielgruppe auf den Prüfstand gestellt. Wie haben Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klasse auf das Angebot reagiert und was konnten Sie bei der Durchführung beobachten?
In beiden Lerngruppen, insbesondere bei der siebten Klasse, stieß das Thema „Social Media“ auf großes Interesse. Allein die Ankündigung, dass dafür die Handys im Unterricht benutzt werden dürfen, löste Begeisterung aus. Alle wollten sofort erzählen, was sie alles wissen und können, und fragten, ob sie die Handys sofort herausholen dürfen. Eines wurde mir bei diesem Praxistest aber schnell klar: Der „Social Media Pass“ ist kein Selbstläufer. Lehrkräfte brauchen Vorbereitung, selbst Medienkompetenz und eine vertrauensvolle Beziehung zur Klasse, damit offene Gespräche über digitale Erfahrungen wirklich möglich werden.
Müssten Lehrkräfte also vor der Nutzung des Materialpakets mit Schülern vorher selbst einen Kurs durchlaufen?
Ohne Grundkenntnis über soziale Medien wird es schwierig. Aber einen Lehrgang müssen Lehrkräfte nicht absolvieren. Hilfreich ist es, die Infokästen in den Materialien vorher zu lesen. Das ist auch notwendig, da recht viele Fachbegriffe auftauchen, die ich dann auch den Schülerinnen und Schülern erklären muss. Teilweise sind aber auch Schüler in der Rolle der Erklärenden, darin sehe ich aber eine Chance. Der Social Media Pass hilft auf jeden Fall dabei, mit Schülerinnen und Schülern richtig ins Gespräch zu kommen, und ist auch mehr als nur ein Materialpaket – er ist ein Türöffner, um Schülerinnen und Schüler zu unterstützen, ihr eigenes Nutzungsverhalten zu reflektieren. Und wenn wir uns als Lehrkräfte entsprechend vorbereiten, liefert der Pass uns Lehrkräften ebenfalls das nötige Medienwissen, um mit den Schülern sprechen zu können.
Hans-Jakob, kurz Jako, Erchinger ist beim Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) im Fachbereich Medienbildung tätig. Dort ist er für den Bereich Journalismus und Schule zuständig.
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