// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Energie-Entkoppelung: So abhängig ist Europa noch von Russland
Nach dem Vollangriff auf die Ukraine wollte Europa schnell unabhängig werden von russischer Energie. Teilweise ist das auch gelungen. Vor allem bei Öl und Uran bleiben aber alte Abhängigkeiten.
Die Abhängigkeit von Russland sei drastisch zurückgegangen, sagt Ben McWilliams, Energieexperte bei der Brüsseler Denkfabrik Bruegel. Das sehe man vor allem bei einem Energieträger: Gas. Seit Beginn der russischen Großinvasion hat die EU die Menge an Gaseinfuhren aus Russland um drei Viertel reduziert. Ab Beginn des kommenden Jahres ist der Import von Flüssiggas (LNG) ganz verboten, ab Herbst gilt das auch für Pipeline-Gas.
Das Bild ist aber weitaus gemischter. Laut dem "Russia Fossil Tracker" der finnischen Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) haben die 27 EU-Mitgliedsstaaten rund 238 Milliarden Euro für Kohle, Öl und Gas aus Russland ausgegeben. Damit terrorisiere Russland die ukrainische Bevölkerung mit Raketen und Drohnen, sagt die Europaabgeordnete Hanna Gedin von der schwedischen sozialistischen Partei Vänsterpartiet.
Auch nach Trumps Dieseldeal mit Putin will die Bundesregierung auf russisches Öl verzichten.
mehr
Die EU-Kommission hatte Anfang des Jahres einen Plan zum Ausstieg aus russischem Öl versprochen, dieser liegt aber noch immer nicht vor: "Wo bleibt die versprochene Gesetzgebung? Wo bleibt Ihr Mut, mit gutem Beispiel voranzugehen?", fragt Gedin im Straßburger Parlament.
Beim Öl bleiben einzelne EU-Staaten von Einfuhren aus Russland abhängig; Ungarn und die Slowakei über die "Druschba"-Pipeline. Und solche Abhängigkeiten lassen sich nicht von heute auf morgen wegzaubern. Auf die gesamte Europäische Union bezogen ist jedoch der Anteil russischen Öls aber stark zurückgegangen.
Einige Staaten wie Ungarn und die Slowakei bleiben abhängig von Öl aus Russland.
Neuen Zündstoff birgt dagegen das Vorgehen der US-Regierung. Washington schloss erst einen Dieseldeal mit Russland, später setzte Präsident Donald Trump Sanktionen gegen das Putin-Regime kurz vor dem Inkrafttreten aus. "Wieder Energie aus Russland zu kaufen, das wäre verrückt", sagt Ben McWilliams von Bruegel.
Der Energieexperte meint, Trumps Russland-Diplomatie dürfe keinerlei Auswirkungen auf die derzeitige europäische Linie haben. Der Meinung ist auch die Mehrheit der Abgeordneten im Europäischen Parlament. Etwa der Sozialdemokrat Jens Geier: "Wir sind in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Kriegstreiber, und das muss so schnell es irgendwie geht beendet werden."
Wegen der hohen Spritpreise steht Trump innenpolitisch unter wachsendem Druck.
mehr