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Nur 60 Sekunden: Weltweit darf bei Jono nur einer gleichzeitig spielen
Obgleich sich Tausende Spieler an Jono beteiligen können, darf weltweit immer nur einer die Spielfigur lenken. Nach genau 60 Sekunden endet der eigene Auftritt, und der nächste Spieler übernimmt. Der gratis Plattformer sorgt inzwischen für lange Warteschlangen.
Das Anfang Oktober erschienene Jono ist ein kostenloser 2D-Plattformer, bei dem Spieler eine kleine Figur durch Räume voller Stacheln, Barrieren und anderer Gefahren steuern müssen. Die Eigenheit liegt in der gemeinsamen Steuerung: Weltweit teilen sich alle Nutzer eine einzige Spielfigur und müssen nacheinander versuchen, möglichst viele Räume zu meistern.
Wer Jono selbst steuern will, muss sich in eine weltweite Warteschlange einreihen. Sobald die eigene Runde beginnt, bleiben höchstens 60 Sekunden für den nächsten Fortschritt. Danach übernimmt der nächste Spieler und setzt die Reise genau dort fort, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Bei einem Tod beginnt nur der derzeitige Raum von vorn. Bereits abgeschlossene Abschnitte bleiben dagegen für immer erledigt.
Während ein Spieler die Kontrolle übernimmt, schauen die restlichen Teilnehmer zu. Über einen gemeinsamen Chat können sie sich unterhalten, Hinweise geben oder den aktuellen Spieler ermutigen. Hinzu kommen Emotes, optische Anpassungen und kleinere Aufgaben für die Zuschauer. Ein Reddit-Nutzer bezeichnete die Idee passend als „Massively Singleplayer”.
Technisch setzt Jono auf die Godot-Engine. Für die gemeinsame Darstellung werden laut Entwickler keine Videobilder gesendet. Stattdessen überträgt das Spiel lediglich die Steuerbefehle des aktiven Spielers. Die Rechner der Zuschauer berechnen daraus selbst die Bewegungen der Figur und stellen so das Spielgeschehen dar.
Dass das außergewöhnliche Konzept Zuspruch findet, zeigen aktuelle Zahlen von Entwickler Tuomas Erikoinen. In einem Reddit-Beitrag vom 24. Oktober berichtet er von mehr als 2.500 neuen Spielern innerhalb von etwa zweieinhalb Tagen. In diesem Zeitraum sammelte Jono über 3.300 Stunden Zuschauerzeit, während tatsächlich bloß 62 Stunden gespielt wurde.
Mit dem steigenden Interesse sind auch die Wartezeiten deutlich gestiegen. Zuvor mussten sich in der Regel fünf bis zehn Spieler gedulden, mittlerweile sinkt die Zahl der Wartenden laut Erikoinen kaum noch unter 60. In der Hochphase standen bereits 99 Personen an. Wer selbst spielen möchte, muss deshalb regelmäßig mehr als eine Stunde warten, um anschließend gerade einmal eine Minute die Kontrolle zu übernehmen.
Der unerwartete Andrang überforderte zeitweilig sogar die Chatmoderation. Zugleich musste der Entwickler viele neu eingereichte Level kontrollieren, bevor diese in das Spiel aufgenommen werden konnten.
Die Jono-Community verfolgt ein langfristiges Ziel: Gemeinsam sollen insgesamt eine Million verschiedene Räume abgeschlossen werden. Den größten Teil davon erzeugt das Spiel automatisch. Über einen eingebauten Level-Editor können Nutzer jedoch auch eigene Abschnitte anlegen, die sie zuerst selbst erfolgreich bewältigen müssen.
Besonders knifflige Level landen im optionalen Modus „Meat Grinder”. An einem solchen Level scheiterten die Spieler insgesamt 2.626-mal, bevor es nach fast fünf Stunden im 2.627. Versuch geschafft war.