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Welche Seevögel haben besonders oft Plastik im Verdauungstrakt?
Welche Seevögel häufig Plastik im Verdauungstrakt haben, lässt sich offenbar besser aus ihrem Stammbaum als aus ihrer Ernährung ableiten. Eine globale Auswertung von Daten zu mehr als 93.000 Vögeln zeigt, dass Nahrung, Jagdweise und Körpergröße keinen einheitlichen eigenständigen Zusammenhang mit der Nachweishäufigkeit aufweisen. Die evolutionäre Verwandtschaft könnte deshalb helfen, bisher kaum untersuchte Arten gezielter zu überwachen.
London (England). Plastikmüll gelangt mit der Nahrung oder durch Verwechslung mit Beutetieren in die Verdauungstrakte von Seevögeln. Welche Arten davon besonders häufig betroffen sind, lässt sich bisher nur schwer einschätzen, weil die vorhandenen Untersuchungen sich in Methoden, Stichprobengröße und Untersuchungsregion unterscheiden. Ein Fund im Magen sagt außerdem noch wenig darüber aus, wie viel Kunststoff ein Vogel aufgenommen hat.
Bisher galten unter anderem die Ernährung, die Art der Beutesuche und die Körpergröße als wichtige Einflussfaktoren. Doch nahe verwandte Vogelarten ähneln sich oft in mehreren dieser Eigenschaften. Deshalb bleibt unklar, welchen eigenständigen Beitrag einzelne Merkmale zur Häufigkeit der Plastikfunde leisten.
Forscher des Natural History Museum (NHM) um Dr. Natalie Cooper haben nun untersucht, ob sich die Unterschiede zwischen Seevogelarten besser durch ihre evolutionäre Verwandtschaft erklären lassen. Dazu haben sie Daten aus 262 Veröffentlichungen der Jahre 1958 bis 2024 zusammengeführt. Insgesamt erfassten sie 93.281 Vögel aus 240 Arten und verglichen deren Plastiknachweise mit einem Stammbaum sowie Merkmalen ihrer Lebensweise.
Bei 182 der 240 Arten, also rund 76 Prozent, hatten frühere Untersuchungen wenigstens einmal verschlucktes Plastik nachgewiesen. Das bedeutet nicht, dass drei Viertel aller untersuchten einzelnen Vögel Plastik enthielten. Die Zahl bezeichnet ausschließlich den Anteil der Arten, für die mindestens ein positiver Nachweis vorlag.
Für die eigentlichen statistischen Modelle nutzte das Team Datensätze von 82.406 Vögeln aus 230 Arten. Ausgeschlossen wurden Arten mit unvollständigen Angaben zu ihren ökologischen Merkmalen und Untersuchungen ausschließlich nestgebundener Küken, die noch nicht selbst auf Nahrungssuche gehen. Die Analyse berücksichtigte außerdem unter anderem Alter, Nachweismethode, Untersuchungsjahr und Ozeanregion, damit Unterschiede zwischen den Studien das Ergebnis möglichst wenig verzerren.
Dabei zeigte sich ein ausgeprägtes Muster entlang des Stammbaums. Nahe verwandte Arten wiesen häufig ähnliche Anteile von Individuen mit Plastiknachweisen auf. Der Verwandtschaftsgrad war im Modell der beste Prädiktor dafür, bei welchen Seevögeln Plastik im Verdauungstrakt festgestellt wurde.
Hingegen zeigten weder die Zusammensetzung der Nahrung noch die Jagdweise, das Körpergewicht oder eine Spezialisierung auf das offene Meer im globalen Modell einen durchgängig nachweisbaren eigenständigen Einfluss. Das bedeutet nicht, dass diese Eigenschaften bedeutungslos sind. Sie hängen selbst mit der Abstammung zusammen und können auch von nicht erfassten Merkmalen begleitet werden. Innerhalb einzelner Vogelgruppen traten zudem durchaus Zusammenhänge mit bestimmten Ernährungs- oder Jagdweisen auf.
Wie unterschiedlich die Nachweishäufigkeiten ausfallen können, zeigt ein Vergleich der Vogelordnungen. Bei den Pelikanartigen lag der gewichtete Mittelwert bei rund 67 Prozent, bei Pinguinen bei gut fünf Prozent. Allerdings beruht der erste Wert auf nur 45 untersuchten Vögeln aus drei Arten, der zweite auf mehr als 8.300 Tieren aus 14 Arten. Die Zahlen lassen sich deshalb nicht als gleich sichere Aussagen über die jeweiligen Gruppen lesen.
Eine wichtige Einschränkung betrifft die verwendete Messgröße. Die Analyse erfasst, ob Kunststoff bei den Tieren nachgewiesen wurde, nicht die Menge des aufgenommenen Plastiks oder seine gesundheitlichen Folgen. Manche Seevögel würgen unverdauliche Reste als Gewölle wieder aus. Andere behalten Fremdkörper län