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Klügere Menschen erkennen die Intelligenz anderer besser
Menschenkenntnis im Test: Nicht jeder erkennt gleich gut, wie intelligent ein anderer Mensch ist. Eine Studie mit 198 Beobachtern und kurzen Videos zeigt, dass Personen mit höheren eigenen Denkfähigkeiten, besserer Emotionserkennung und größerer Lebenszufriedenheit im Schnitt treffender urteilen. Eine wichtige Rolle spielen dabei offenbar Hinweise in der Sprache.
Witten (Deutschland). Wie klug ist unser Gegenüber? Oft entsteht schon nach wenigen Sätzen ein ziemlich fester Eindruck. Doch ob eine Person tatsächlich intelligent ist, lässt sich an Auftreten oder Selbstsicherheit allein kaum ablesen. Frühere Untersuchungen haben immerhin gezeigt, dass kurze Verhaltensausschnitte Hinweise auf geistige Fähigkeiten liefern können.
Nur urteilen manche Menschen treffsicherer als andere. Bisher war wenig darüber bekannt, welche Eigenschaften gute Beobachter auszeichnen und worauf sie bei ihrer Einschätzung besonders achten. Genau das hat ein Forschungsteam jetzt anhand standardisierter Intelligenztests und kurzer Videoaufnahmen untersucht.
Forscher der Universität Witten/Herdecke (UW/H) um Christoph Heine haben dafür 198 Erwachsene zwischen 18 und 76 Jahren untersucht. Die Teilnehmer sahen Aufnahmen von 50 ihnen fremden Personen, deren geistige Fähigkeiten aus einer früheren Testreihe bekannt waren. Jedes Video dauerte ungefähr eine Minute und zeigte Ausschnitte aus vier kleinen Aufgaben.
Die gefilmten Personen lasen beispielsweise einen Wetterbericht vor, beschrieben ein erfreuliches Erlebnis, erklärten den Begriff „Symmetrie“ und spielten eine kurze Szene. Nach jedem Clip sollten die Beobachter die Intelligenz auf einer fünfstufigen Skala von weit unterdurchschnittlich bis weit überdurchschnittlich einschätzen. Für den Vergleich hatten die Forscher gezielt jeweils zehn Personen aus fünf Leistungsgruppen ausgewählt.
Auch die Beobachter absolvierten Intelligenzaufgaben, darunter Tests zu Wortschatz, schlussfolgerndem Denken und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Zudem erfasste das Team, wie gut sie Gesichtsausdrücke und Gefühle erkennen, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind und welche Persönlichkeitsmerkmale sie aufweisen. Anschließend verglichen die Wissenschaftler jedes Urteil mit der zuvor gemessenen Intelligenz der gezeigten Person.
Das Ergebnis: Insgesamt konnten die Teilnehmer die Intelligenz der Fremden besser einschätzen, als es bei zufälligen Bewertungen zu erwarten gewesen wäre. Allerdings waren ihre Urteile keineswegs gleichermaßen zuverlässig. Die Analysen ergaben deutliche Unterschiede darin, wie gut einzelne Beobachter höhere und niedrigere Testleistungen erkannten.
Besonders treffsicher waren im Mittel jene Teilnehmer, die selbst bessere Ergebnisse in den Intelligenztests erzielten. Auch eine ausgeprägtere Fähigkeit, Gefühle aus Gesichtern abzulesen, ging mit zutreffenderen Einschätzungen einher. Ein dritter Zusammenhang zeigte sich bei der Lebenszufriedenheit: Wer damit höhere Werte erreichte, lag tendenziell ebenfalls häufiger richtig.
Die Beziehungen waren statistisch nachweisbar, aber keineswegs so eng, dass sich die Urteilsgüte aus einer einzigen Eigenschaft vorhersagen ließe. Für Empathie, Offenheit, soziale Neugier, Geschlecht oder die Freude an der Aufgabe fanden die Forscher keine entsprechend klaren Zusammenhänge. Kleinere Effekte können sie aufgrund der begrenzten statistischen Aussagekraft jedoch nicht ausschließen.
Warum halfen Intelligenz und Emotionserkennung beim Einschätzen? Dazu untersuchte das Team ergänzend, welche Merkmale der Videos tatsächlich mit der gemessenen Intelligenz zusammenhingen. Besonders aussagekräftig erwiesen sich die Artikulation, also die Deutlichkeit der Aussprache, und der Inhalt der gesprochenen Aussagen.