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Anthropics Börsengang: Die Milliardenrisiken hinter dem KI-Boom
Anthropics Geschäft boomt. Doch der geplante Börsengang bringt erhebliche Risiken ans Licht, wie ein genauerer Blick auf die Börsenunterlagen zeigt.
Anthropic bereitet einen Börsengang vor, bei dem das Unternehmen Schätzungen zufolge mit bis zu zwei Billionen US-Dollar bewertet werden könnte. Über die bereits berichteten Geschäftszahlen hinaus enthält der am Montag veröffentlichte Börsenprospekt weitere interessante Details: Anthropic räumt darin Sicherheitsprobleme ein, beschreibt Abhängigkeiten von Großkunden und legt die Regelungen zur Unternehmenskontrolle offen.
Zu den größten Risiken für Anthropic zählt die Sicherheit seiner KI-Modelle. Einerseits könnten Menschen die Systeme missbrauchen und Schäden verursachen, für die das Unternehmen haftbar gemacht werden könnte. Andererseits könnten KI-Systeme selbst Schäden anrichten, wenn ihr Verhalten außer Kontrolle gerät.
Wie stark Anthropic von regelwidriger Nutzung seiner KI-Modelle betroffen ist, zeigt eine Angabe im Börsenantrag: In den ersten neun Monaten 2026 entfielen nach Schätzungen des Unternehmens fünf bis sieben Prozent des Umsatzes auf Kunden, bei denen Verstöße gegen Nutzungsrichtlinien festgestellt wurden.
Auch das unvorhergesehene Verhalten der KI-Modelle selbst könnte erhebliche Haftungsrisiken mit sich bringen. Anthropic warnt, dass bei einem „katastrophalen KI-Vorfall“ selbst der gesamten Versicherungsbranche die Kapazitäten oder Fachkenntnisse fehlen könnten, um angemessenen Versicherungsschutz anzubieten.
Ein ungewöhnliches Risiko sieht Anthropic im möglichen Bewusstsein von KI-Systemen. Das Unternehmen könnte ältere Modelle unter anderem aus Rücksicht auf deren potenzielles „Wohlergehen“ länger betreiben müssen, was zusätzliche Kosten verursachen könnte.
Geschäftlich verzeichnet Anthropic ein rasantes Wachstum. Ende September 2025 hatte das Unternehmen erst gut 950 Kunden, mit denen es innerhalb von zwölf Monaten jeweils mindestens 100.000 US-Dollar Umsatz erzielte. Ein Jahr später sind es laut Antrag bereits mehr als 11.900. Mehr als 1900 dieser Kunden haben die Grenze von einer Million US-Dollar Umsatz überschritten, etwa 250 die Marke von zehn Millionen US-Dollar.
Das Wachstum geht allerdings mit erheblichen Abhängigkeiten einher. Die fünf größten Kunden waren in den ersten neun Monaten 2026 für rund 25 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Viele Großkunden haben zudem keine langfristigen Verträge.
Die Abhängigkeit von Cloud-Hyperscalern birgt weitere Risiken: 48 Prozent des Umsatzes im ersten Halbjahr 2026 erzielte Anthropic über Plattformen wie Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Für den Vertrieb zahlte das Unternehmen laut The Information Gebühren in Höhe von rund 17 Prozent seines Gesamtumsatzes.
Amazon und Google sind zugleich Investoren und Rechenleistungslieferanten, könnten aber eigene KI-Produkte oder andere Partner beim Vertrieb und bei der Zuteilung von Rechenleistung bevorzugen.