// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
Juli Zeh: Schriftstellerin hört offenbar als Verfassungsrichterin auf
Juli Zeh, bürgerlich Julia Barbara Finck, steht bei der Verkündung einer Entscheidung im Verfassungsgericht Brandenburg
Die meisten Menschen kennen Juli Zeh als Autorin von Erfolgsromanen wie »Unterleuten«. Aber: Die 52-Jährige ist gelernte Juristin und als solche auch immer noch tätig. Künftig jedoch womöglich deutlich seltener: Zeh hat einem Bericht zufolge ihre Entlassung als ehrenamtliche Verfassungsrichterin beantragt.
Wie die »Märkische Allgemeine Zeitung« schreibt, habe Julia Barbara Finck, wie sie bürgerlich heißt, die Brandenburger Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) via Brief um die Amtsaufgabe gebeten. Eigentlich würde ihre reguläre zehnjährige Amtszeit als Verfassungsrichterin in Potsdam erst 2029 enden.
Zur Begründung gab Zeh dem Bericht zufolge ihre beruflichen Verpflichtungen als Schriftstellerin und die damit verbundene hohe Arbeitsbelastung an. Die Autorin tourt derzeit mit ihrem neuen Roman »Pony Show« durch Deutschland. (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Rezension des Buchs )
Auf Anfrage der Zeitung, die zum Redaktionsnetzwerk Deutschland gehört, äußerten sich zunächst weder Zeh selbst noch der Landtag zu dem Schritt. Zeh bedauerte laut »MAZ« in dem Schreiben zugleich aber ihre Entscheidung. Die Tätigkeit am Gericht habe sie stets als besondere Ehre und Verantwortung empfunden, heißt es demnach.
Zeh war im Dezember 2018 auf Vorschlag der SPD mit einer Zweidrittelmehrheit vom Landtag gewählt und Ende Januar 2019 als Verfassungsrichterin vereidigt worden.
Als solche ist Zeh mit ihren Kolleginnen und Kollegen unter anderem für die Prüfung von Gesetzen, sowie Verfassungsbeschwerden und Streitigkeiten zwischen staatlichen Organen zuständig. Das Gericht setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen – darunter Berufsrichterinnen und -richter, Menschen mit der Befähigung zum Richteramt oder Diplomjuristen und auch Laien.
Ende 2022 wurde Zeh von SPIEGEL-Autor und -Moderator Markus Feldenkirchen zum »Spitzengespräch« eingeladen. Beide redeten unter anderem über den Krieg Russlands gegen die Ukraine. »Hinterher sagten viele, ich hätte ihr keine Bühne bieten dürfen«, resümierte Feldenkirchen, »das sehe ich ganz anders.« Lesen Sie mehr dazu hier.