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US-Windräder haben wohl 18,7 Millionen Fledermäuse getötet
Windenergieanlagen in den USA könnten zwischen 1981 und 2024 rund 18,7 Millionen Fledermäuse getötet haben. Dies ergibt eine Modellrechnung aus 499 Untersuchungsberichten, die erstmals die Verluste von zehn Arten über mehrere Jahrzehnte landesweit zusammenführt. Besonders betroffen sind wandernde Baumfledermäuse, während die tatsächlichen Folgen für ihre Bestände noch nicht verlässlich abschätzbar sind.
Fort Collins (U.S.A.). Die Windenergie liefert Strom ohne unmittelbare CO₂-Emissionen, doch ihre Rotoren können für nachtaktive Fledermäuse zur Todesfalle werden. Besonders wandernde Arten, die tagsüber in Bäumen ruhen, sind gefährdet. Wie hoch die Verluste landesweit ausfallen, blieb trotz zahlreicher Untersuchungen an einzelnen Windanlagen lange unklar.
Die bisherigen Kontrollen liefern nur ein lückenhaftes Bild. An Windparks wird nach verendeten Tieren gesucht, doch nicht jeder Kadaver wird entdeckt. Suchintervalle, untersuchte Flächen und die Berücksichtigung von Aasfressern unterscheiden sich zudem von Standort zu Standort.
Forscher des U.S. Geological Survey (USGS) um Dr. Charles J. Labuzzetta haben deshalb 499 Monitoringberichte von 277 Windparks ausgewertet, die zwischen 1996 und 2024 untersucht wurden. Mit einem statistischen Modell berücksichtigten sie die unterschiedlichen Suchmethoden und berechneten auch Verluste an Anlagen ohne eigene Kontrollen. So rekonstruierten sie die jährlichen Todesfälle von zehn Fledermausarten in den zusammenhängenden 48 US-Bundesstaaten seit 1981.
Das Ergebnis liegt bei insgesamt rund 18,7 Millionen getöteten Fledermäusen für die Jahre 1981 bis 2024. Das 95-Prozent-Glaubwürdigkeitsintervall der Modellrechnung reicht von etwa 13,3 bis 25,7 Millionen Tieren. Seit 2021 überstieg die geschätzte jährliche Zahl der Opfer jeweils 1,5 Millionen.
Am stärksten betroffen ist die Eisgraue Fledermaus (Lasiurus cinereus) mit rund 6,7 Millionen modellierten Todesfällen. Es folgen die Rote Fledermaus (Lasiurus borealis) mit 5,8 Millionen und die Silberhaarfledermaus (Lasionycteris noctivagans) mit 3,4 Millionen. Auf die Große Braune Fledermaus (Eptesicus fuscus) entfallen weitere 1,5 Millionen. Zusammen machen diese vier Arten rund 93 Prozent der geschätzten Verluste aus.
Die Wissenschaftler prüften außerdem, welche Eigenschaften der Windparks mit besonders hohen Verlusten zusammenhängen. Bei fünf Arten war eine größere von den Rotoren überstrichene Fläche mit mehr Todesfällen verbunden. Für mehrere Arten zeigte sich dagegen ein geringeres Risiko, wenn zwischen dem Boden und dem tiefsten Rotorblattpunkt mehr Abstand blieb.
Auch die Umgebung spielt eine Rolle. An Anlagen in Flussnähe sagte das Modell bei allen zehn Arten höhere Verluste voraus. Weitere Zusammenhänge mit Landschaftsform und Vegetation unterschieden sich zwischen den Arten. Deshalb dürften Maßnahmen zur Standortwahl und Bauweise nicht für jede Fledermausart gleich gut wirken.
Aus diesen Ergebnissen entwickelten die Forscher Karten, die Regionen mit erhöhtem modelliertem Risiko für einzelne Arten zeigen. Die Zusammenhänge beruhen allerdings auf Beobachtungsdaten und belegen keine direkten Ursachen. Wie wirksam Betriebsanpassungen wie zeitweises Abschalten sind, ließ sich mit den zeitlich groben Daten dieser Untersuchung nur eingeschränkt beurteilen.
Der berechnete Verlust ist in seiner Größenordnung möglicherweise mit den Todesfällen durch das nordamerikanische Weißnasen-Syndrom vergleichbar. Diese Pilzerkrankung trifft vor allem Fledermäuse, die in Höhlen überwintern. An Windrädern sterben dagegen besonders viele wandernde Baumfledermäuse. Beide Gefahren betreffen daher überwiegend verschiedene Artengruppen und könnten sich in ihren Auswirkungen auf die Fledermausfauna ergänzen.