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VW startet Demontage von verbrauchten Autos
Erst war das Zwickauer VW-Werk Vorreiter bei E-Autos, nun werden dort ältere Fahrzeuge zerlegt. Kann das die Zukunft des bedrohten Standorts sichern?
In Zwickau wird derzeit unter anderem der ID.3 gebaut. Im Bild: VW ID.3 Neo (Test)
Seit mehr als 100 Jahren werden in Zwickau Autos gebaut, nun werden Fahrzeuge dort auch wieder zerlegt. Volkswagen eröffnet in Zwickau seine erste Demontagelinie. Damit will der Konzern sich auch neue Erlöse im Handel mit gebrauchten Autoteilen erschließen. Bei Umbau und Genehmigungsverfahren drückten die Sachsen aufs Tempo: in neun Monaten wurde die neue Demontage eingerichtet.
„Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander, mit derselben industriellen Präzision“, erklärt VW-Markenchef Thomas Schäfer. In Halle 23 der Autofabrik wurde dazu eine Demontagelinie mit acht Takten aufgebaut. Zunächst wurde der Ablauf an Vorserienfahrzeugen erprobt, künftig soll es vor allem um Gebrauchtwagen gehen.
Dazu werden die Autos zunächst einem Check unterzogen und dann Stück für Stück verwertbare Teile demontiert: Türen, Kotflügel, Leuchten bis hin zu Motor und Getriebe. Die werden jeweils einer Qualitätskontrolle unterzogen, per Foto dokumentiert und einzeln verpackt, um sie Händlern und Werkstätten anzubieten.
Ziel des Kompetenzzentrums Kreislaufwirtschaft ist laut Volkswagen, Gebrauchtwagen je nach Zustand neu aufzubereiten oder zu zerlegen. Für die Originalteile gebe es gute Absatzchancen gerade mit Blick auf die Reparatur älterer Fahrzeuge, hieß es. Zudem sollen Rohstoffe wie Stahl, Aluminium und Kunststoffe zurückgewonnen werden. Was nach der Demontage übrig bleibe, soll von Partnern recycelt werden. Die Erfahrungen aus der Zerlegung sollen außerdem in die Entwicklung neuer Autos einfließen.
Für 2027 ist nach Angaben von Volkswagen die Demontage von 4100 Fahrzeugen verschiedener Konzernmarken im Zwei-Schicht-Betrieb geplant. Diese Zahl soll schrittweise auf bis zu 15.000 im Jahr 2030 steigen. Auch die Zahl der Jobs in diesem Segment soll von zunächst 100 auf dann bis zu 1000 wachsen. Neue Stellen entstehen dadurch laut VW allerdings nicht: Die Beschäftigten wechseln aus der Fahrzeugproduktion in die Demontage.
Für Volkswagen ist Kreislaufwirtschaft ein neues Geschäftsfeld. Andere Autohersteller betreiben in Europa bereits entsprechende Standorte – etwa Renault, Stellantis und Toyota. Zudem reagiert Volkswagen auf Vorgaben der EU. Die neue Altfahrzeugverordnung schreibt vor, dass in neuen Fahrzeugen zunächst mindestens 15 und später 25 Prozent des Kunststoffs aus recyceltem Material stammen müssen.
Der Automobilbau hat in Zwickau nicht nur eine mehr als 100-jährige Tradition. Der Standort gilt auch als sehr flexibel. So war die Autofabrik schon bei der E-Mobilität Vorreiter im Volkswagen-Konzern. Angesichts von Überkapazitäten an den deutschen Standorten müssen die Sachsen jedoch Modelle abgeben. Dafür wurde ihnen das neue Geschäftsfeld Kreislaufwirtschaft zugesprochen. Bis zu 90 Millionen Euro investiert Volkswagen nach früheren Angaben für das neue Kompetenzzentrum am Standort Zwickau. Das Land Sachsen fördert das Vorhaben mit bis zu 10,7 Millionen Euro.
Die Autofabrik in Zwickau gehört zu den vier deutschen Standorten von VW und Audi, denen Anfang der 2030er-Jahre das Ende der Autoproduktion droht. Aktuell arbeiten hier rund 8000 Menschen. Zwar bietet die Demontage von älteren Fahrzeugen laut Betriebsrat Beschäftigungspotenzial. Er pocht aber darauf, dass hier auch weiterhin Autos gebaut werden.