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Wie konnte es zu dem schweren Zugunglück kommen?
Ein Zug steht, ein weiterer fährt mit hoher Geschwindigkeit auf. Bei dem schweren Zugunglück in Spanien starben mindestens 68 Menschen. Es gibt erste Erkenntnisse zur Unglücksursache: Offenbar spielte menschliches Versagen eine Rolle.
Spaniens Bahnnetz für Hochgeschwindigkeitszüge gilt als eines der modernsten der Welt. Dennoch hat sich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ein schweres Bahnunglück ereignet. Mindestens 68 Menschen starben am Mittwochmorgen, als ein Zug auf einen weiteren stehenden auffuhr - offenbar mit hoher Geschwindigkeit. Spanische Medien berichten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde.
Während die mehr als 100 Verletzten versorgt werden, hat die Suche nach den Ursachen begonnen. Klar ist, am Anfang der Tragödie stand ein technischer Defekt.
Ersten Erkenntnissen zufolge war in der Region Kastilien-La Mancha das automatische Sicherungssystem ausgefallen. Das computergesteuerte System reguliert, welche Züge auf der Fernstrecke Madrid-Sevilla stoppen oder abbremsen, wenn der Abstand zwischen zwei Zügen zu gering wird.
Laut ersten Ermittlungen hat vermutlich menschliches Versagen zu dem Unglück geführt.
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Das automatische System fiel laut Verkehrsminister Óscar Puente um 8.30 Uhr aus. Daraufhin seien alle Züge auf dem 63 Kilometer langen Streckenabschnitt zum Stehen gekommen. Die Mitarbeitenden in der Leitstelle in Madrid übernahmen daraufhin die Kontrolle.
Nach Darstellung der spanischen Zeitung El Pais gab die Leitstelle in Madrid bereits nach sechs Minuten schriftlich und telefonisch die Anweisung an die Lokführer, weiterzufahren - mit einer "normalen" Geschwindigkeit. Die Vorschriften sehen eigentlich ein "Anfahren auf Sicht" mit 40 Kilometern pro Stunde vor. Bei diesem Tempo besteht die Chance, dass ein Zug noch rechtzeitig bremsen kann.
Nur 25 Kilometer voneinander entfernt befanden sich zwei Züge auf demselben Gleis. Der Hochgeschwindigkeitszug des staatlichen Unternehmens Renfe mit 397 Passagieren an Bord und ein Zug des Betreibers Iryo mit 147 Fahrgästen. Letzterer konnte offenbar wegen technischer Probleme nicht anfahren, berichten die Zeitungen El Mundo und El Pais.
Das Iryo-Zugpersonal habe die Leitstelle telefonisch über die technischen Probleme informiert. Auf den Bildschirmen in der Leitstelle in Madrid sei zudem klar zu sehen gewesen, dass sich der Renfe- und der Iryo-Zug auf demselben Gleis befanden, berichtet El Pais. Dennoch fuhr der Renfe-Zug 17 Minuten später mit hoher Geschwindigkeit in den Iryo-Zug.
Verkehrsminister Puente spricht von menschlichem Versagen. Das Signal sei auf Rot gestellt worden, erklärte der Minister. Dennoch habe ein Mitarbeiter des Schienennetzbetreibers Adif im Kontrollzentrum die Freigabe zur Weiterfahrt gegeben, während der Iryo-Zug noch gestanden habe, sagte Puente. Das sei "unerklärlich" und eine "falsche Entscheidung" gewesen.