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BioWare-Schließung war für Mitbegründer Greg Zeschuk nach EA-Übernahme absehbar
BioWare-Mitbegründer Greg Zeschuk sieht in der Übernahme von Electronic Arts durch den saudischen Staatsfonds PIF einen entscheidenden Einschnitt für den Konzern. Er befürchtet, dass Sportspiele künftig Vorrang vor aufwendigen Rollenspielen wie Mass Effect und Dragon Age erhalten könnten.
Für BioWare-Mitbegründer Greg Zeschuk kommt die kürzliche Schließung des Studios nicht überraschend. In einem Interview mit 80LV erklärt er, dass die Übernahme des Mutterkonzerns Electronic Arts durch den saudisch geführten Public Investment Fund einen entscheidenden Einschnitt dargestellt habe. Seiner Einschätzung nach habe sich das Unternehmen dadurch grundlegend verändert.
„Ich glaube, das war der letzte Sargnagel“, erklärt Zeschuk mit Blick auf die Übernahme. Weiter führt er aus: „Ich glaube, das war in gewisser Weise der entscheidende Punkt. Es ist jetzt wieder ein völlig anderes Unternehmen.“ Für den BioWare-Mitbegründer steht damit die Frage im Raum, welche Bedeutung aufwendige Rollenspiele künftig innerhalb des EA-Konzerns haben werden.
Die Übernahme durch den saudischen Staatsfonds hatte bereits zuvor Diskussionen innerhalb der Spielebranche ausgelöst. Die saudi-arabische Regierung steht wegen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Besonders die Rechte von LGBTQ+-Personen sind im Land stark eingeschränkt.
Entsprechend groß waren die Bedenken, dass sich die neuen Eigentumsverhältnisse auf die kreative Ausrichtung von Electronic Arts auswirken könnten. Berichten zufolge sollen Entwickler von Mass Effect 5 nach der Übernahme dazu aufgefordert worden sein, inklusive Inhalte zurückzufahren. Bereits im August hatten zudem mehrere EA-Mitarbeiter gegenüber Game Developer anonym ihre Befürchtung geäußert, die saudische Regierung könnte künftig stärker Einfluss auf Spieleproduktionen nehmen, um diese mit ihren politischen Vorstellungen in Einklang zu bringen.
Ultima Online ist ein Fantasy-MMORPG aus dem Jahr 1997 und gehört zu den frühen, einflussreichen Online-Rollenspielen. Es ist Teil der Ultima-Reihe, die vom Spieleentwickler Richard „Lord British“ Garriott geschaffen wurde. Ultima Online gilt als einer der Wegbereiter moderner MMORPGs und prägte das Genre maßgeblich.
Die Befürchtungen treffen BioWare besonders stark. Das Studio ist für seine erzählerisch anspruchsvollen Rollenspiele und die Darstellung von LGBTQ+-Figuren bekannt. Sowohl die Mass Effect-Reihe als auch Dragon Age haben sich daher über Jahre hinweg eine treue Fangemeinde aufgebaut.
Zeschuk verließ BioWare bereits 2012 gemeinsam mit Mitgründer Ray Muzyka und zog sich aus der Spielebranche zurück. Über interne Vorgänge bei EA verfügt er daher seit Langem nicht mehr über unmittelbare Kenntnisse. Dennoch erwartet er, dass der Konzern künftig vor allem auf seine wirtschaftlich besonders attraktiven Marken setzt.
„Alles andere ist wohl eher nebensächlich, vermute ich“, meint er. EA werde seiner Einschätzung nach insbesondere Sportspiele und möglicherweise Battlefield priorisieren. Aufwendige Rollenspiele seien dagegen schwieriger zu produzieren, da sie viel Zeit und Ressourcen benötigten:
„BioWare entwickelt diese Art von ungewöhnlichen Spielen, deren Entwicklung viel Zeit in Anspruch nimmt und die kompliziert sind. Daher ist es einfacher, jedes Jahr einfach Sportspiele auf den Markt zu bringen – und das ist in gewisser Weise ein besseres Geschäftsmodell.“