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Klimatische Fernwirkung: So hängt der Indische Ozean mit Stürmen und Regen in Europa zusammen
Fernwirkung aus den Tropen: Wie warm das Wasser im westlichen und östlichen Indischen Ozean ist, hängt offenbar mit dem europäischen Frühwinter zusammen. Besonders im Dezember zeigt sich ein Gegensatz zwischen regenreicheren Gebieten im nördlichen Atlantik und trockeneren Regionen rund um das westliche Mittelmeer. Auch die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete verändern sich.
Triest (Italien). Europas Winterwetter wird vor allem mit dem Atlantik und seinen Tiefdruckgebieten in Verbindung gebracht. Doch auch weit entfernte tropische Meeresregionen können die großräumige Luftzirkulation beeinflussen.
Besonders auffällig sind solche Fernbeziehungen, wenn sie nicht gleichmäßig über eine ganze Jahreszeit auftreten. Unterschiede zwischen Dezember, Januar und Februar können in saisonalen Mittelwerten verborgen bleiben, obwohl sie für Regenmengen und die Verteilung von Stürmen wichtig sind.
Forscher des Istituto Nazionale di Oceanografia e di Geofisica Sperimentale (OGS) um Marco Reale haben untersucht, wie der Indische Ozean mit Niederschlag und Sturmtätigkeit über dem Nordatlantik, Europa und dem Mittelmeer zusammenhängt. Im Mittelpunkt stand der Indische-Ozean-Dipol, ein wechselnder Temperaturgegensatz zwischen dem westlichen und östlichen tropischen Indischen Ozean.
In seiner positiven Phase ist die Meeresoberfläche im Westen relativ zum Osten wärmer, während bei einer negativen Phase das umgekehrte Muster vorherrscht. Diese Schwankung erreicht ihre größte Ausprägung meist im Herbst und kann die tropische Luftzirkulation verändern.
Für die Analyse wertete das Team Wetterrekonstruktionen aus dem ERA5-Datensatz für den Zeitraum 1979 bis 2024 aus. Diese sogenannte Reanalyse verbindet Beobachtungen mit Wettermodellen und enthält unter anderem Luftdruck, Niederschläge und Windverhältnisse.
Zusätzlich erfassten die Wissenschaftler, wie oft es regnete, wie intensiv die Niederschläge ausfielen, wie lange Regenphasen anhielten und wo Tiefdruckwirbel entlangzogen. Um den möglichen Beitrag des Indischen-Ozean-Dipols besser abzugrenzen, rechneten sie den linearen statistischen Zusammenhang mit dem Klimaphänomen El Niño heraus.
Das deutlichste Muster zeigte sich im Dezember: Bei positivem Dipol gingen stärkere Niederschläge über Teilen des nördlichen Atlantiks mit trockeneren Bedingungen im westlichen und zentralen Mittelmeerraum einher. Besonders zwischen 50 und 60 Grad nördlicher Breite beobachtete das Team mehr Regentage und längere zusammenhängende Regenphasen.
Südlich davon, über dem östlichen Atlantik und dem westlichen Mittelmeer, nahm nicht nur die Niederschlagshäufigkeit ab. Dort wurden zugleich weniger Zugbahnen von Tiefdruckgebieten festgestellt, die gewöhnlich Regen und starken Wind mitbringen.
Das Muster war allerdings weder räumlich überall gleich noch während des gesamten Winters stabil. Im Januar und Februar verschob sich das Signal ostwärts und wurde über weiten Teilen des Untersuchungsgebiets statistisch deutlich schwächer.