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Wissenschaft - Afrika strebt seit 19 Jahren eine Grüne Mauer an, die 4,4-mal so groß wie Deutschland ist – nun nimmt das lebendige Gebilde eine neue Form an
Zwei Welten nebeneinander – und doch untrennbar miteinander verbunden: Trockenheit und fruchtbare Zonen. In der Sahelzone kämpfen letztere stets gegen ersteres. Das grüne Band soll das Blatt auf Dauer zu ihren Gunsten wenden. (Bildquelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Der unsichtbare Atem einer Riesin bläst auf dem afrikanischen Kontinent schleichend gen Süden: die Trockenheit der Sahara. Die sichtbare Verwüstung weiter Landstriche in der Sahelzone bedroht das Leben Dutzender Millionen Menschen. Sie ist das Bindeglied zwischen der Wüste im Norden und den Savannen im Süden.
Die voranschreitende Gefahr kennen und fördern wir seit etlichen Jahrzehnten, ist sie doch mindestens teilweise menschengemacht: Intensive Bodennutzung und vorhergehende Waldrodungen trocknen empfindliche Böden aus und ebnen so der Wüste den Weg. Obendrein übt die Klimakrise mit wiederkehrenden Dürren zusätzlichen Druck auf die Öko- und Wirtschaftssysteme aus – soziopolitische Instabilität ist nur eine Folge von vielen.
2007 schlossen sich elf Staaten (Burkina Faso, Tschad, Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Sudan) zu einer Initiative zusammen. Ihr ursprüngliches Ziel: ein grünes Band als Schutzgürtel – heute ist das Vorhaben weit mehr. Die Anfänge dieser Idee reichen bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, ehe sie Anfang der 2000er der nigerianische Präsident aufgriff.
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Der britische Forstmann Richard St. Barbe Baker schlug 1952 eine „grüne Front“ als 50 Kilometer breite Baumbarriere gegen die Wüste vor.
Heutzutage nimmt sein Vorschlag unter afrikanischer Regie als Große Grüne Mauer (Great Green Wall, GGW) auf einer Gesamtfläche von 156 Millionen Hektar langsam Form an. Das entspricht 218 Millionen Fußballfeldern oder etwa dem 4,4-Fachen der Fläche Deutschlands.
Die Zonen reihen sich als loses Band vom Senegal-Becken bis zum Horn von Afrika aneinander – also vom Atlantik einmal quer südlich der Sahara bis ans Rote Meer.
Wobei es weniger um Bäume als um Wasser im Boden sowie Bewuchs jeglicher Art geht. Letzterer hält den Verfall der Böden auf und ersteres bietet den unverzichtbaren Grundstoff, ohne den nichts gedeiht. Denn nur wassertragende Böden können Pflanzen ernähren, die wiederum dem Boden Halt geben. Ohne Bewuchs und Wurzelwerk kann der Wind die obersten, trockenen Schichten abtragen. So schält er die potenziell fruchtbare Muttererde weg – die Wüste breitet sich aus.
Um die Verwüstung zu verhindern, existiert nicht der eine Weg, sondern unzählige an die lokalen Gegebenheiten und Herausforderungen angepasste Bewirtschaftungsweisen. Ihre Ziele lauten: Baum- oder Strauchbedeckung zu schützen oder zu erneuern, da sie den Niederschlag vor Ort festhalten und so zur Grundwasserneubildung oder zur direkten Verwertung des Regens beitragen.