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Patrick Stewart ist tot
Der britische Schauspieler Patrick Stewart ist am Mittwoch gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.
Sir Patrick Stewart ist tot. Der britische Schauspieler, bekannt für Shakespeare, X-Men und vor allem seine Rolle als Star-Trek-Kapitän Jean-Luc Picard wurde 86 Jahre alt. Er hinterlässt seine Witwe, die Sängerin Sunny Ozell, und zwei Kinder aus einer früheren Ehe.
Manche Schauspieler spielen eine Rolle, andere werden zu ihr. Patrick Stewart hat Jean-Luc Picard nicht nur gespielt. Er hat ihm eine Würde gegeben, die es im Fernsehen bis dahin kaum gab. Im hohen Alter litt Stewart an Alzheimer und Lewy-Körperchen-Demenz, wie seine Sprecherin Kelly Bush Novak mitgeteilt hat. Seine letzten Stunden verbrachte er im Kreis von Familie und Freunden – nur zwei Tage nach dem Ableben der Star-Trek-Legende Walter Koenig (90).
Stewarts Geschichte begann nicht im 24. Jahrhundert, sondern im englischen Mirfield in West Yorkshire. Dort wurde Stewart am 13. Juli 1940 geboren. Er wuchs in armen Verhältnissen auf und erlebte zu Hause Gewalt durch seinen Vater, der selbst vom Krieg traumatisiert war.
Gerettet hat den jungen Stewart ein Lehrer. Der drückte dem Elf- oder Zwölfjährigen Shakespeare in die Hand und sagte, er solle aufstehen und vortragen. Davon erzählte Stewart, als ihn die britische Königin Elizabeth II. 2010 zum Ritter schlug. Ohne diesen Mann, sagte der Geadelte, wäre nichts davon passiert. Von 1966 bis 1982 gehörte Stewart zur Royal Shakespeare Company. Im Kino hatte er damals nur Nebenrollen, etwa in "Excalibur" und David Lynchs "Dune". Wer nicht gelegentlich BBC2 einschaltete, hatte nach seinen eigenen Worten noch nie von ihm gehört.
Mitte der 80er-Jahre bekam er das Angebot für "Star Trek: The Next Generation" (TNG). Stewart war skeptisch und unterschrieb den üblichen Sechsjahresvertrag nur widerwillig. Er glaubte, die Serie würde schnell scheitern. In Los Angeles soll er zunächst aus dem Koffer gelebt haben. Zum Serienstart war der 47-Jährige in den USA so gut wie unbekannt.
Ein glatzköpfiger Brite mit feinem englischem Akzent als französischer Captain? Das klang nach einer Fehlbesetzung und wurde zu einem der größten Glücksfälle der Fernsehgeschichte. Stewart brachte das Handwerk des Theaters auf die Brücke. Sein Picard war kein Draufgänger wie Kirk. Er war Diplomat, Hobby-Archäologe und Humanist, ein Mann, der lieber verhandelte als schoss. Aus "Tea. Earl Grey. Hot." machte er eine Haltung. Manche fanden ihn steif. Für seine Crew und sein Publikum war er der Fels, auf den man sich in jeder Krise verlassen konnte.
Er verhandelte mit Klingonen, Romulanern und Wesen, die niemand verstand, und war überzeugt, dass Verständigung am Ende stärker ist als jeder Phaser. Wenn er "Engage!" sagte, ging es um Entdeckung, nicht um Eroberung.
Stewart konnte aber noch viel mehr. Als assimilierter Locutus in "The Best of Both Worlds" jagte er einer ganzen Generation Schauer über den Rücken. Für heise-Autor Fabian A. Scherschel gehört der Zweiteiler zu seinen ältesten und liebsten Fernseh-Erinnerungen]. Nach eigener Aussage hat er sein Leben geprägt. In "The Inner Light" lebte Picard in wenigen Minuten ein ganzes Leben. Stewart spielte das so leise und berührend, dass vielen die Flötenmelodie der Folge bis heute nachhängt. "Make it so" wurde zum geflügelten Wort.
15 Jahre lang war Stewart der Captain, in sieben Staffeln und vier Kinofilmen, bis "Star Trek: Nemesis" (2002). Die Rolle machte ihn weltberühmt. Sie war aber auch Segen und Fluch zugleich, denn lange sahen alle in ihm nur noch Picard.