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Unschön: Motorola bringt über Taboola KI-Antworten auf den Sperrbildschirm der Moto-g-Reihe
von Carsten Knobloch
29. Okt. 2026 |
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Taboola und Motorola haben eine erweiterte Partnerschaft verkündet, die in der Pressemitteilung nach praktischem KI-Komfort klingt, beim genaueren Hinsehen aber vor allem ein alter Bekannter im neuen Gewand ist. In den kommenden Monaten und bis ins Jahr 2027 hinein soll die Antwortmaschine DeeperDive auf den Sperrbildschirmen ausgewählter Smartphones der Moto-g-Serie landen. Deutschland gehört neben Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien zu den geplanten Märkten.
Taboola verkauft die Funktion als direkte Informationsquelle für Nutzer. Direkt vom Sperrbildschirm aus sollt ihr Fragen zu Sport, Reisen, Finanzen, Politik oder Unterhaltung stellen können. Die Antworten werden laut Mitteilung von generativer KI auf Basis von Partner-Verlagen zusammengestellt, darunter Publikationen wie USA Today, BuzzFeed oder im deutschsprachigen Raum die Hamburger Morgenpost. Ihr tippt also eine Frage ein, lest eine kurze Zusammenfassung und bekommt Links zu weiterführenden Artikeln vorgeschlagen.
Wer Taboola hört, denkt vermutlich nicht an neutrale KI-Forschung, sondern an die allgegenwärtigen Empfehlungs-Widgets und Klick-Anzeigen am Ende von Webseiten, die wirklich ganz, ganz schlimme Werbung zeigen. Genau da liegt vermutlich des Pudels Kern. DeeperDive ist sicherlich kein reines Komfort-Feature, sondern ein Ad-Tech-Produkt. Taboola selbst positioniert die Technologie gegenüber Werbekunden ganz unverblümt als Plattform zur Monetarisierung. Suchanfragen der Nutzer werden irgendwie ausgewertet, um kaufrelevante Anzeigen direkt in die KI-Antworten einzubetten. Mal schauen, wie genau das in Deutschland abläuft.
Dass ausgerechnet die Moto-g-Reihe dafür herhalten muss, überrascht vermutlich wenig. Günstigere (aber auch teure) Smartphones werden seit Jahren gerne über vorinstallierte Dienste, Partnerschaften und Systemwerbung querfinanziert. Ob DeeperDive ab Werk standardmäßig aktiv sein wird und wie einfach sich der Dienst abschalten lässt, verrät die Ankündigung bislang nicht. Wer auf seinem Sperrbildschirm eigentlich nur Uhrzeit und Benachrichtigungen sehen will, dürfte für werbefinanzierte Verlags-Antworten von Taboola wohl eher wenig Begeisterung aufbringen.
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