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Atlantische Umwälzströmung könnte kollabieren, doch Klimapläne beachten das Risiko kaum
Die Atlantische Umwälzzirkulation könnte sich durch die Erderwärmung weiter abschwächen und im Extremfall zusammenbrechen. Dennoch erwähnen nur zwei von 91 ausgewerteten nationalen Klimaanpassungsplänen dieses Risiko, konkrete Vorsorgemaßnahmen fehlen selbst dort. Dadurch könnten langfristige Investitionen in Wasserversorgung, Landwirtschaft und Küstenschutz auf Klimaszenarien beruhen, die einen tiefgreifenden Wandel im Atlantik ausklammern.
Washington (U.S.A.). Die Atlantische meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) transportiert warmes Oberflächenwasser im Atlantik nach Norden und kälteres Tiefenwasser nach Süden zurück. Sie beeinflusst damit die Wärmeverteilung im Klimasystem, die Regenzonen der Tropen und die Lebensbedingungen in vielen Küstenregionen.
Eine starke Abschwächung der AMOC könnte regionale Wetterverhältnisse anders verändern, als viele bisherige Anpassungspläne voraussetzen. Ein vollständiger Zusammenbruch noch vor dem Jahr 2100 ist wissenschaftlich nicht gesichert und gilt nach einer verbreiteten Einschätzung als unwahrscheinlich. Für die staatliche Klimaanpassung bleibt das Szenario dennoch wichtig, weil viele heute geplante Anlagen jahrzehntelang genutzt werden sollen.
Brenden Jongman von der Weltbank und ein Mitautor haben 91 nationale Klimaanpassungspläne auf Hinweise zur AMOC durchgesehen. Nach ihrer Auswertung erwähnen lediglich zwei der beim UN-Klimasekretariat eingereichten Dokumente die Atlantische Umwälzströmung. Keines enthält konkrete Vorsorgemaßnahmen für einen möglichen Kollaps.
Brasilien beschreibt in seiner nationalen Anpassungsstrategie, wie sich bei einem solchen Umbruch tropische Regenzonen verschieben und die Bedingungen im Amazonasgebiet verändern könnten. Irland verweist in seinem staatlichen Anpassungsrahmen ebenfalls auf die Gefahr abrupter regionaler Klimaänderungen und betont die Grenzen bloßer Anpassung. Beide offiziellen Dokumente benennen damit das Problem, ohne eigens darauf zugeschnittene Handlungsprogramme auszuarbeiten.
Die Zahl von 91 Plänen stammt aus der Auswertung der Autoren und lässt sich anhand der frei lesbaren Zusammenfassung nicht unabhängig im Detail nachprüfen. Ihre Veröffentlichung ist ein wissenschaftlicher Kommentar und keine neue Klimamodellierung, die den Zeitpunkt eines Strömungskollapses bestimmen würde.
Ein massiver Rückgang des nordwärts gerichteten Wärmetransports könnte Nordwesteuropa deutlich kältere Winter bringen, obwohl sich die Erde insgesamt weiter erwärmt. Gleichzeitig könnten sich die tropischen Niederschlagsgürtel verschieben und die Monsunregen in Westafrika und Südasien schwächer ausfallen.
Auch Meeresspiegel, Küstenökosysteme und Fischbestände könnten auf eine veränderte Zirkulation reagieren. Die Stärke und der zeitliche Ablauf dieser Folgen sind allerdings unsicher und unterscheiden sich je nach Region und angenommenem Szenario.
Gerade diese Unsicherheit macht langfristige Investitionen schwierig. Ein Stausee, der für stärkere Schwankungen der Regenfälle geplant wird, könnte seinen Zweck verfehlen, wenn die Regenzeit stattdessen kürzer und trockener ausfällt. Ähnlich könnten Küstenschutzanlagen oder landwirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen unter deutlich veränderten Bedingungen unzureichend werden.
Jongman und Hall schlagen vor, mögliche AMOC-Veränderungen in die Prüfung staatlicher Investitionen aufzunehmen. Zunächst sollten besonders gefährdete Länder, Wirtschaftszweige und Vorhaben ermittelt werden, beispielsweise in der Monsunlandwirtschaft, der Fischerei oder an Atlantikküsten.