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Das System Vucic in Serbien: Besiegt, aber nicht verschwunden
Auch rund eine Woche nach ihrem Wahlsieg in Serbien staunt die Studentenbewegung noch über ihren Erfolg. Ihre Mitglieder merken aber im Alltag: Das System von Ex-Präsident Vucic verschwindet nicht über Nacht.
Als Lazar Zajovic in den Zug nach Novi Sad steigt, ist es für ihn wie eine Reise ins System Vucic. Drei Tage nach dem historischen Machtwechsel an Serbiens Spitze steht der 21-Jährige ausgerechnet dort vor Gericht, wo das Ende des Regimes seinen Anfang nahm.
Der Vorwurf, für den er sich vor Gericht verantworten muss, lautet: gewalttätiges und unverschämtes Verhalten gegenüber der Polizei auf einer öffentlichen Versammlung, Landfriedensbruch. "Das entspricht absolut nicht der Wahrheit", sagt Zajovic.
Ausgerechnet in Novi Sad muss sich Lazar Zajovic nach dem Wahlsieg der Studenten vor Gericht verantworten - in der Stadt, in dem die Bewegung zum Sturz Vucics ihren Anfang genommen hatte.
Zajovic ist Teil der Studentenbewegung, der es gelungen ist, die Parlamentswahl vergangene Woche gegen den langjährigen Machthaber Alexandar Vucic zu gewinnen. Der Protest begann im November 2024, als in Novi Sad ein Bahnhofsvordach einstürzte und 16 Menschen starben.
Von diesem Tag an ging auch Zajovic auf die Straße, demonstrierte gegen Korruption und Machtmissbrauch. Dass die alte Regierung nun tatsächlich abgewählt ist, kann er noch immer nicht fassen. "Ich bin so auf 50 Prozent der Glaubensskala."
Vucic ist abgewählt, doch sein System ist noch tief im Land verankert. Mehr als fast 14 Jahre hat er seinen Einfluss in Justiz, Polizei, Verwaltung und Medien konsequent ausgebaut. Viele der Mitarbeiter in Serbiens Institutionen traten in dieser Zeit Vucics Fortschrittspartei bei.
Nach dem Sieg über die serbische Regierungspartei war der Jubel bei den Studenten groß. Sie wissen zugleich, dass sie beim Umbau des Systems vor einer großen Herausforderung stehen.
Der Fall Zajovic zeigt, dass das alte System auch ohne Vucic an der Spitze noch weiterläuft. Vor dem Gerichtsgebäude in Novi Sad wartet sein Anwalt Uros Vranac auf ihn. Für Vranac ist Zajovic kein Einzelfall - er vertritt unentgeltlich zahlreiche Studentinnen und Studenten, die Vorwürfe sind ähnlich.
"Hier liegt eine ganz offensichtliche Absicht zur Einschüchterung von Protestteilnehmern sowie die politische Verfolgung von Andersdenkenden vor", so der Anwalt. "Rechtlich gesehen gibt es keinerlei Anhaltspunkte, welche die Behauptungen der Polizei beweisen können. Eine Farce und eine Schande."