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»Polizeiruf« heute aus Rostock: »Sie haben einen Namen« im Schnellcheck
Darstellerinnen Anastasiia Mazhara, Lina Beckmann, Anneke Kim Sarnau in »Polizeiruf 110: Sie haben einen Namen«: Sex Trafficking und Family Business
Sex Trafficking und Family Business in Meckpomm. Während Kommissarin Böwe (Lina Beckmann) immer noch nicht weiß, wie sie ihrer Tochter mitteilen soll, dass diese bei einer Vergewaltigung gezeugt wurde, tut sich für sie und Kollegin König (Anneke Kim Sarnau) der nächste Abgrund auf: Eine junge osteuropäische Prostituierte wurde zu Tode gefoltert. In dem Fall mischt erstaunlich ambitioniert auch der Staatsanwalt aus Schwerin mit (Thorsten Merten), der schon zuvor die Ermittlungen der Rostocker Truppe sabotierte. Selbst dem sich gern hart gebende Kommissar Pöschel (Andreas Guenther) stehen angesichts der Untersuchungen im Menschenschindermilieu die Tränen in den Augen – weil er sich in eine Prostituierte verliebt hat, die dort ausgebeutet wird.
Emotionaler Ausnahmezustand, mit klarem Kopf inszeniert. Wie die Schicksale der jungen osteuropäischen Sexarbeiterinnen mit den komplexen Ermittlerinnenbiografien verknüpft werden, wühlt auf. Drehbuchautor Florian Oeller hatte bereits die vorletzte Rostocker »Polizeiruf«-Folge geschrieben; sein neuer Krimi (Regie: Franziska Schlotterer) ist extrem hart in der Ausleuchtung der Rotlichtszene, verbindet aber niemals spekulativ die dortige Gewalt mit den tragischen Schicksalen der Beamtinnen. Ein Problem bleibt: Die tadellos verknüpften Handlungsfäden kann in Gänze nur verstehen, wer alle Folgen der vergangenen Jahre gesehen und hat und erinnern kann. Ein Fest für Rostock-Aficionados, eine Herausforderung für alle anderen.
Söhnke Möhring, Anastasiia Mazhara: Ein HB-Männchen, von Misogynie getrieben
Sönke Möhring als Zuhälter und Geldwäscher Heiko Mischke. Der Bruder von »Tatort«-Kommissar-Darsteller Wotan Wilke Möhring gibt die Rotlichtdrecksau mit Einstecktuch, der eine der Sexarbeiterin, die er versklavt hält (ebenfalls stark: Anastasiia Mazhara) erst mit einer Erschießung droht, um sich dann zugekokst und cholerisch an ihr zu vergehen. Ein HB-Männchen, von Misogynie getrieben.
Ein Freier in Unterhose, der einen Vortrag hält. »Wegen Frauen wie dir hab ich 'ne super Ehe«, sagt er zu einer Prostituierten. »Meine Frau ist top, auch im Bett. Aber wenn man jeden Tag Filet frisst, dann hat man zwischendurch einfach Bock auf Junkfood. Und das ist, was du bist: mein saftiger kleiner Billigfleisch-Döner.« Die Prostituierte hatte in ihrem Plüschelefanten eine Videokamera mit Speicherkarte versteckt, mit dem sie die brutalen heimlichen Offenbarungen dieses und vieler anderer Freier aufnahm.
8 von 10 Punkten. 1,2 Millionen Männer, so heißt es einmal im Film, sollen in Deutschland täglich zu Prostituierten gehen. Hier werden unerbittlich die Schattenzonen des Milieus ausgeleuchtet.
Lesen Sie hier die Besprechung zur »Polizeiruf«-Folge »Tu es!«.
»Polizeiruf 110: Sie haben einen Namen«, bereits in der Mediathek. Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste