// EUROGAMER.DE — GAMING
Dune 2: Warum der RTS-Pionier in einer Fünf-Parteien-Lizenzhölle feststeckt
GOG würde Westwoods Strategie-Klassiker liebend gern neu auflegen, doch zersplitterte Filmrechte und zu geringe Verkaufsaussichten verhindern die Rückkehr.
Das 1992 von den Westwood Studios veröffentlichte Dune 2 ist ein Meilenstein der Spielegeschichte: Es legte das Fundament für das Genre der Echtzeitstrategie und diente Titeln wie WarCraft oder dem hauseigenen Command & Conquer als Vorbild.
Warum könnt ihr das Strategiespiel also heute nicht mehr spielen? Und warum gab es nie eine Neuauflage? Die Antwort liegt in einem denkbar komplizierten Lizenzgeflecht. Das sagt jedenfalls Marcin Paczynski, Senior Business Development and Partnerships Manager bei GOG, der den Klassiker gerne auf der Plattform anbieten würde.
Westwood Studios revolutionierte 1992 mit Dune 2 das Genre und schuf später Command & Conquer. Nach dem EA-Kauf 1998 schloss der Publisher das Studio 2003.
"Das Spiel ist einer der heiligen Grale", verrät Paczynski im Gespräch mit GamesRadar. "Auf meiner persönlichen Wunschliste steht es ganz oben, da ich sehr viele nostalgische Erinnerungen daran knüpfe. Der Fall zeigt allerdings wie kaum ein anderer, wie kompliziert sich die Lizenzlage bei Spielen entwickeln kann."
Westwood zeichnete damals für die Produktion verantwortlich. Vertrieben wurde es noch von Virgin Interactive, bevor EA das Studio aufkaufte. "Electronic Arts besitzt heute den Quellcode, die Assets, sämtliche Rechte daran und alle zugehörigen Materialien", erklärt Paczynski. "Doch ihnen gehört natürlich nicht die Marke selbst. Das Problem mit den Markenrechten: Sie liegen nicht direkt bei der Herbert Foundation. Die Spiele basierten damals nämlich nicht auf den Büchern, sondern auf dem Kinofilm von 1984. Den produzierte Universal Pictures gemeinsam mit Hauptproduzent Dino De Laurentiis. Das Problem dabei: Ihm gehörte ebenfalls ein Teil der Filmlizenz – und er ist vor 15 Jahren verstorben."
"Am Tisch sitzen also Universal Pictures, Electronic Arts und der Rechtsnachfolger des ursprünglichen Film-Lizenzinhabers", führt er weiter aus. "Hinzu kommt die Herbert Foundation, die die Rechte an der gesamten Marke hält. Und obendrein mischt auch noch Legendary Pictures mit, denen die Rechte an den neuen Kinofilmen gehören."
Die Beteiligung von Legendary Pictures erweist sich hier zugleich als Problem. Das Studio gab Funcom die exklusiven Rechte zur Entwicklung von Dune-Spielen. Es sei derzeit jedoch unklar, wie sich das auf eine Neuveröffentlichung der alten Westwood-Klassiker auswirken könnte. Neben Dune 2 gibt es etwa noch Dune 2000 und Emperor: Battle for Dune.
"All diese milliardenschweren Konzerne reden bei einem Spiel mit, das sich bei einem Re-Release vielleicht 50.000 oder höchstens 100.000 Mal für 5,99 oder 9,99 Dollar verkaufen würde", erläutert er. "Das veranschaulicht perfekt, wie verzwickt die Lage werden kann."