// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Hubert Aiwanger - das Gesicht der Freien Wähler
Bierzelt, Bauernhof, klare Kante: Hubert Aiwanger stand wie kein anderer für die Freien Wähler. Er führte die Partei in die Staatsregierung und blieb bis zuletzt ihr prägendster Kopf.
Er war das Gesicht seiner Partei. Mit ihm an der Spitze haben es die Freien Wähler in Bayern erstmals auf die Regierungsbank geschafft, auf der sie bis heute neben der CSU Platz nehmen. Gewohnt selbstbewusst machte Hubert Aiwanger kurz nach der Wahl 2018 klar: Seine Partei werde sich vom großen Koalitionspartner nicht bevormunden lassen. Sollte sich herausstellen, dass die CSU "mit uns Schlitten fahren will", seien die Freien Wähler die Ersten, die vom Schlitten abstiegen und die CSU "alleine an die Wand fahren" ließen.
Klare Worte - dafür war der Niederbayer bekannt. Hubert Aiwanger wurde im Januar 1971 in Ergoldsbach geboren, wuchs in Rahstorf im Landkreis Landshut auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf und studierte Agrarwissenschaften.
Der überraschende Tod des Freie-Wähler-Chefs Aiwanger hat parteiübergreifend Bestürzung ausgelöst.
mehr
2006 startete Aiwanger politisch durch. Die Freien Wähler suchten einen neuen Vorstand. Aiwanger - damals noch ein politischer Niemand – trat bei der Landesversammlung vor Landräte und Bürgermeister auf die Bühne und habe "frei Schnauze drauf losgeredet, was mir das Herz so in den Mund gelegt hat", erinnerte er sich später. Er wurde zum Landeschef gewählt.
2008 gelang den Freien Wählern erstmals der Einzug in den Bayerischen Landtag, Aiwanger wurde Fraktionschef. 2010 übernahm er auch den Bundesvorsitz. Aus der stark kommunal verwurzelten Bewegung machte er eine Partei - gegen innere Widerstände. Denn manch einer befürchtete, die einstige Graswurzelbewegung könnte dadurch die Nähe zu den Menschen vor Ort verlieren.
Aiwanger zeigte sich aber auch als Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident weiterhin betont bodenständig. Er mochte Bierzeltauftritte, tauchte dort in die Menge ein, schüttelte Hände und ließ sich feiern. Die Ärmel hochgekrempelt, immer frei heraus, ohne Manuskript: Das wurde zu seinem Markenzeichen.
Der Freie-Wähler-Chef starb nach ARD-Informationen im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel.
mehr
Für seine Kritiker galt Aiwanger als zu derb und als jemand, der mit seinen Äußerungen immer wieder übers Ziel hinausschoss. Gleichzeitig verschaffte ihm dieser Stil bundesweite Bekanntheit.
Vor allem für die Landbevölkerung machte sich Aiwanger stark. Menschen aus den Städten seien auf dem Land willkommen, erklärte er einmal - solange sie nicht versuchten, dort "das ganze Dorf zu dressieren" und den Nachbarn zu erklären, wie sie zu leben haben.