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Starker Polarwirbel sorgt 2026 für ein ungewöhnlich großes Ozonloch
Ein gewaltiges Ozonloch trotz positivem Langzeittrend: Über der Antarktis erreichte die ozonarme Zone 2026 zeitweise 27,1 Millionen Quadratkilometer. Im saisonalen Mittel war das Ozonloch das siebtgrößte seit Beginn der Satellitenüberwachung, obwohl die Ozonschicht weniger stark ausgedünnt war als in früheren Extremjahren. Ein ungewöhnlich kräftiger Polarwirbel verstärkte den saisonalen Schwund, während die langfristige Erholung der Schutzschicht weitergeht.
Washington (U.S.A.). Über der Antarktis wird die Ozonschicht in jedem Frühling der Südhalbkugel besonders stark abgebaut. Hoch in der Stratosphäre hält sie normalerweise einen großen Teil der schädlichen ultravioletten Strahlung von der Erde fern. Als Ozonloch gilt eine Region, in der die gesamte Ozonsäule auf weniger als 220 Dobson-Einheiten sinkt, nicht ein vollständig ozonfreier Bereich.
Wie weit sich die ozonarme Zone ausdehnt, hängt nicht allein von der Menge langlebiger Schadstoffe ab. Auch Temperaturen und Luftströmungen beeinflussen die chemischen Abbauprozesse von Jahr zu Jahr. Während das Ozonloch 2025 vergleichsweise klein war, schuf das Wetter 2026 besonders günstige Bedingungen für den Ozonabbau.
Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und die National Aeronautics and Space Administration (NASA) haben für ihre aktuelle Jahresauswertung Satellitendaten und Messungen am Südpol zusammengeführt. Zwischen dem 7. September und dem 13. Oktober 2026 erstreckte sich das Ozonloch im Mittel über rund 25 Millionen Quadratkilometer. Damit nimmt die Saison nach ihrer durchschnittlichen Fläche Rang sieben unter 48 Beobachtungsjahren ein.
Seine größte Ausdehnung erreichte das Ozonloch am 18. September mit 27,1 Millionen Quadratkilometern. Das sind rund 90 Prozent des maximalen Tageswerts aus dem Rekordjahr 2000. Die Flächengröße allein verrät jedoch nicht, wie stark die Ozonschicht innerhalb der betroffenen Region ausgedünnt ist.
Über der Südpolstation sank die gemessene Ozonsäule am 17. Oktober auf ihren niedrigsten Wert der Saison von 105 Dobson-Einheiten. Der dortige Tiefstwert aus dem Oktober 2006 liegt bei nur 92 Dobson-Einheiten. Das große Ozonloch von 2026 war somit weniger tief ausgeprägt als manche früheren Extremereignisse.
Entscheidend für den Ozonabbau ist der Polarwirbel, ein ringförmiges Windsystem um die Antarktis, das im Winter sehr kalte Luft einschließt. Bei niedrigen Temperaturen entstehen polare Stratosphärenwolken. An ihren Partikeln werden Chlor- und Bromverbindungen aus langlebigen Schadstoffen chemisch aktiviert, sodass sie nach der Rückkehr des Sonnenlichts Ozon zerstören können.
Im August und September 2026 waren großräumige atmosphärische Wellen ungewöhnlich schwach, die den Wirbel sonst stören und aufbrechen können. Dadurch blieb eine ausgedehnte Kaltluftzone erhalten, in der die Ozonzerstörung besonders gut ablaufen konnte. So lässt sich erklären, warum die Fläche der ozonarmen Region so außergewöhnlich groß wurde.
„Der Polarwirbel war in diesem Jahr unter anderem deshalb ungewöhnlich groß, weil großräumige Wettersysteme, die normalerweise aus tieferen Atmosphärenschichten aufsteigen und den Wirbel aufbrechen, im August und September besonders schwach waren. Diese schwache Wellenaktivität hielt die stärksten Winde des Polarwirbels mehrere Breitengrade weiter vom Südpol entfernt und schuf damit ein größeres Gebiet mit idealen Bedingungen für den Ozonabbau“, erklärt Amy Butler vom Chemical Sciences Laboratory (CSL) der NOAA.
Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beobachtete anhand von Satellitendaten eine ungewöhnlich große Ozonlücke. Zugleich verweist die Einrichtung auf europäische Auswertungen, nach denen der gesamte Ozonverlust weniger extrem ausfiel, als es die bloße Fläche vermuten ließe. Größe und Tiefe des Ozonlochs müssen deshalb getrennt betrachtet werden.