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BioWare-Aus: Warren Spector attackiert EA und rechnet mit Millionen-Gehältern der Chefs ab
Nach dem Ende des Kultstudios kritisiert die Branchenlegende das Management scharf und stellt den Boni von Andrew Wilson die Entlassungswelle gegenüber.
Es ist gerade einmal zwei Wochen her, dass Warren Spector seinem Ärger lautstark Luft machte – Anlass war EAs plötzlicher Entschluss, BioWare dichtzumachen, nachdem Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF und Risikokapitalgeber den Publisher geschluckt hatten. Jetzt meldet sich die Entwicklerlegende zurück – und kocht offenbar mehr denn je vor Wut.
"Vor Kurzem habe ich meine Gedanken zu EAs Schließung von BioWare geteilt", schrieb Spector in einem Beitrag auf LinkedIn. "Wer meinen Beitrag gelesen hat, weiß, wie wütend ich war. Daran hat sich nichts geändert. Die Tragödie der zahllosen Entlassungen in den letzten Jahren ging keineswegs an mir vorbei. Aber aus irgendeinem Grund traf mich das Aus von BioWare emotional so hart wie nichts zuvor. Es fühlte sich wie ein Schlag in die Magengrube an."
Spector widerspricht dabei vehement der Behauptung, das Studio sei im Zuge einer "vernünftigen geschäftlichen Entscheidung" abgewickelt worden – etwa weil die "künstlerischen und kommerziellen Glanzzeiten des Studios der Vergangenheit angehören" und "Unternehmen nicht allein von ihrer Geschichte leben können". Vor allem solche Reaktionen brachten Spector offenbar dazu, noch einmal in die Tasten zu greifen. Denn mit dieser Einschätzung geht er ganz und gar nicht konform.
Warren Spector zählt zu den einflussreichsten Pionieren des Spieledesigns und prägte das Genre der Immersive Sims. Zu seinen bekanntesten Meilensteinen gehören Klassiker wie Deus Ex, System Shock und Ultima Underworld sowie Disneys Micky Epic.
"Wenn erfahrene Leute auf Studioebene gehen und dadurch wertvolles Talent verloren geht, schafft irgendwer ein Umfeld, das sie herausekelt", fragt er. "Zahlen diese Kulturkiller jemals irgendeinen Preis dafür? Wenn Führungskräfte den Markt falsch einschätzen, massenhaft Leute einstellen oder Entscheidungen fällen, die in unterfinanzierten, überfinanzierten oder miserabel vermarkteten Spielen enden – raubt ihnen das den Schlaf, geschweige denn den Job?"
"Leiden dieselben Führungskräfte wie die Entwickler, wenn die Wünsche von Finanzpartnern und Privatinvestoren vor den Menschen rangieren, die den eigentlichen Wert schaffen – geschweige denn vor den Interessen der Spieler? Schert das da oben in der Chefetage überhaupt jemanden? Gibt es auf dieser Welt noch irgendeine Verantwortung? Offensichtlich nicht."
Anschließend listet er die jährlichen Vergütungen auf, die einige der Spitzenkräfte bei EA jedes Jahr einstreichen. Dazu zählen:
"Zehntausende Macher und kreative Köpfe stehen auf der Straße – und diese Herrschaften halten sich ernsthaft für so viel Geld wert?", setzt Spector nach. "Und falls ihr glaubt, hier gehe es um 'vernünftige geschäftliche Entscheidungen', hoffe ich inständig, dass ihr niemals die Leitung eines Unternehmens übernehmt. Oder dass die Leute zumindest so klug sind, nicht für euch zu arbeiten."
Bereits im August kündigte Warren Spector seinen Rückzug aus der Spieleentwicklung an. Sein Schritt erfolgte kurz nachdem sein letztes Projekt – Thick as Thieves – nur wenige Monate nach dem Launch ein finales großes Update erhielt. Trotz all seines Charmes und des niedrigen Preises verkaufte sich Thick as Thieves leider nicht wie erhofft, was auch in Spectors Studio zu Entlassungen führte.