// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Antibiotikareste könnten Honigbienenvölker zusätzlich schwächen
Unterschätzte Gefahr: Honigbienen geraten nicht nur durch Pestizide, Parasiten und Nahrungsmangel unter Druck. Eine neue Auswertung der Fachliteratur zeigt, wie Antibiotikarückstände und resistente Mikroben über Böden, Wasser und Blüten zu den Insekten gelangen könnten. Während Folgen direkter Antibiotikagaben bekannt sind, bleiben die Auswirkungen solcher indirekten Umweltkontakte auf ganze Bienenvölker weitgehend ungeklärt.
Auburn (U.S.A.). Honigbienen bestäuben zahlreiche Nutzpflanzen und sichern damit einen wichtigen Teil der landwirtschaftlichen Produktion. Doch in vielen Regionen gehen jährlich zahlreiche Völker verloren, wobei verschiedene Belastungen ineinandergreifen.
Zu den bekannten Risiken gehören Parasiten wie die Varroamilbe und die von ihr übertragenen Viren, aber auch Pestizide, Hitze, Lebensraumverlust und knappe Nahrung. Ein möglicher zusätzlicher Stressfaktor könnte aus einem anderen Bereich der Landwirtschaft stammen: Antibiotika, deren Rückstände über Dünger und Abwässer in die Umwelt gelangen.
Forscher der Auburn University (AU) um Dr. Laura Huber haben nun die vorhandene Literatur zu den Gefahren für Honigbienen ausgewertet. Ihre veröffentlichte Übersichtsarbeit fasst frühere Ergebnisse zusammen und beleuchtet besonders die Wege, auf denen Antibiotika und Resistenzgene aus der Tierhaltung zu Blüten und Bienen gelangen könnten.
Antibiotika können Bienen direkt erreichen, wenn sie zur Behandlung von Krankheiten im Stock eingesetzt oder auf Nutzpflanzen ausgebracht werden. Der indirekte Weg führt dagegen über mit Arzneimittelresten belastete Gülle, Geflügelmist und Abwässer. Werden damit Felder gedüngt oder Schadstoffe mit Luft und Wasser verbreitet, können Böden und Pflanzen zum Reservoir solcher Rückstände werden.
Von dort könnten Bienen die Stoffe beim Sammeln von Nektar, Pollen oder Wasser aufnehmen und in ihre Völker tragen. Wie häufig das unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen geschieht, ist bislang jedoch kaum gemessen worden.
Dass Antibiotika die Bienenbiologie beeinflussen können, zeigen Untersuchungen mit direkten Gaben. Sie verändern die bakterielle Gemeinschaft im Darm, in der unter anderem Bifidobacterium und Snodgrassella wichtige Funktionen bei Stoffwechsel und Krankheitsabwehr übernehmen.
Frühere Studien verknüpfen solche Veränderungen mit einer höheren Anfälligkeit für Krankheitserreger, gestörter Entwicklung und verändertem Sammelverhalten. Antibiotika können demnach die Widerstandskraft einzelner Bienen schwächen. Ob geringe Mengen aus der Umwelt dieselben Veränderungen auslösen und dadurch das Überleben ganzer Völker beeinträchtigen, lässt sich daraus aber nicht ableiten.
Die Literaturübersicht nennt außerdem Hinweise darauf, dass Honigbienen landwirtschaftliche Antibiotikaresistenzen widerspiegeln. In Honig, Pollen und den Bienen selbst wurden resistente Bakterien oder Resistenzgene nachgewiesen, wobei einige Untersuchungen Zusammenhänge mit landwirtschaftlich geprägten Standorten zeigen.
Resistenzgene sind Erbanlagen, die Bakterien gegenüber bestimmten Antibiotika unempfindlich machen können. Ihr Nachweis in einem Bienenvolk beweist weder eine krankmachende Infektion noch eine Schädigung des Volks durch Arzneimittelreste. Er zeigt aber, dass Bienen mit mikrobiellen Belastungen aus ihrer Umwelt in Berührung kommen.