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Ocarina of Time: Was, wenn mein Lieblingsspiel nur in meiner Erinnerung ein Meisterwerk war?
Nach fast drei Jahrzehnten kehrt der N64-Klassiker zurück – und ich hatte Schiss, enttäuscht zu werden.
Es gibt Menschen, die haben Angst vor Krieg, Krankheit oder dem nächsten Schreiben vom Finanzamt. Und dann gibt es mich. Ich hatte Angst, das Remake eines Videospiels zu starten, weil ich befürchtete, die mögliche Enttäuschung nicht zu verkraften. Kurz: First World Problems in ihrer wohl peinlichsten Form. Dass ich vor der Neuauflage von The Legend of Zelda: Ocarina of Time gehörigen Bammel hatte, verstehen vermutlich nur Menschen, deren Liebe zu Videospielen ebenfalls krankhafte Züge angenommen hat.
Nach Ocarina of Time wäre Majora’s Mask der logische Kandidat für das nächste Zelda-Remake. Schon 2000 folgte das düstere N64-Abenteuer auf seinen Vorgänger, 2015 erschien ebenfalls eine Neuauflage für den Nintendo 3DS. Ob Link auch auf der Switch 2 erneut den Weltuntergang verhindern darf, ist offen. Nintendo hat bislang nichts angekündigt.
Denn als Ocarina of Time 1998 für das Nintendo 64 erschien, war ich völlig hin und weg. Ich habe es nächtelang durchgesuchtet, jeden Winkel von Hyrule erkundet und war felsenfest davon überzeugt, das beste Videospiel aller Zeiten vor mir zu haben. Ich sagte Verabredungen ab, vernachlässigte soziale Verpflichtungen und – jetzt kommt's – vergaß sogar zu essen! Wenn ein Fettsack wie ich vor lauter Zocken das Abendessen vergisst, muss ein Spiel schon verdammt gut sein. Und obwohl ich seitdem Hunderte andere Spiele gezockt habe, thront Ocarina of Time bis heute ganz weit oben in meiner persönlichen Bestenliste.
Allerdings habe ich das Original seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr angerührt. Und vermutlich ist das auch besser so. Ich fürchte nämlich, dass ich mich heute beim Anblick der N64-Nebelsuppe angewidert abwenden würde. Genau deshalb habe ich mich bislang auch nicht getraut, die emulierte Version über Nintendo Switch Online zu starten.
Ein gescheitertes Wiedersehen habe ich schließlich schon hinter mir. Als Ocarina of Time 2011 für den Nintendo 3DS erschien, war für mich nach nicht einmal einer Stunde Schluss. Lag es am Alter des Spiels oder an der eigenwilligen Hardware? Mit der Steuerung und dem Bedienkonzept des Handhelds bin ich jedenfalls nie richtig warm geworden. Keine Ahnung. Vielleicht hatte Ocarina of Time aber auch einfach seine besten Tage bereits hinter sich. Und genau das war auch meine größte Sorge beim Remake.
Fast drei Jahrzehnte sind vergangen. Videospiele haben sich technisch und spielerisch gewaltig weiterentwickelt, und meine Ansprüche sind mitgewachsen. Was, wenn Ocarina of Time heute einfach nicht mehr mithalten kann? Was, wenn mein vermeintlich bestes Spiel aller Zeiten nur deshalb noch immer einen so hohen Stellenwert bei mir genießt, weil ich es seit 28 Jahren nicht mehr gespielt habe?
Schließlich ist Nostalgie ein ausgesprochen unzuverlässiger Zeitzeuge. Sie verklärt, beschönigt und blendet mit bemerkenswerter Konsequenz alles aus, was nicht zur schönen Erinnerung passt. Da werden aus technischen Unzulänglichkeiten plötzlich charmante Eigenheiten und aus spielerischen Zumutungen liebenswerte Macken.
Wie gründlich einen die eigene Erinnerung täuschen kann, zeigte mir neulich ein zufälliges Wiedersehen mit Otto – Der Film. 1985 ging ich gleich dreimal ins Kino, so begeistert war ich von der Komödie des ostfriesischen Spaßmachers. Gut vier Jahrzehnte später sitze ich kopfschüttelnd vor der Glotze und frage mich, wie ich dieses Sparwitz- und Cringe-Spektakel jemals feiern konnte. War die größte Witzfigur damals gar nicht auf der Leinwand, sondern im Publikum?
Noch unangenehmer war allerdings ein anderer Gedanke: Was, wenn Nintendo ein hervorragendes Remake abliefert und ich trotzdem keinen Spaß damit habe? Dann wäre ich das Problem, nicht das Spiel. Und die Schuld könnte ich auch keinem Entwickler in die Schuhe schieben. So viel Eigenverantwortung wäre zu viel für mich!