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Deutschland könnte durch Elektrifizierung 30 Milliarden Euro an fossilen Importen ersetzen
Deutschland gab 2025 nach Abzug seiner Energieexporte rund 76 Milliarden Euro für Energieimporte aus. Eine neue Analyse zeigt, wie stark vor allem Öl und Gas die Wirtschaft internationalen Preissprüngen aussetzen. Durch die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung ließen sich langfristig fossile Energieeinfuhren im Wert von rund 30 Milliarden Euro jährlich ersetzen.
Berlin (Deutschland). Deutschlands Energieversorgung hängt weiterhin stark von Lieferungen aus dem Ausland ab. Besonders bei Mineralöl und Erdgas lassen sich heimische Nachfrage und inländische Förderung kaum miteinander decken. Schwanken die Weltmarktpreise, verändert sich deshalb auch die Rechnung für eingeführte Energieträger erheblich.
Die Abhängigkeit bleibt selbst dann kostspielig, wenn weniger Öl, Gas und Kohle eingeführt werden. Denn der Wert dieser Einfuhren richtet sich nicht nur nach ihrer Menge, sondern auch nach den internationalen Preisen. Welche Kosten dadurch entstehen und welche davon langfristig vermeidbar wären, zeigt eine neue Auswertung des Energieaußenhandels.
Dr. Felix Christian Matthes und Hauke Hermann vom Öko-Institut Consult gGmbH haben im Auftrag des WWF Deutschland den Energieaußenhandel von Deutschland und der Europäischen Union (EU) seit 2015 analysiert. Grundlage sind unter anderem Energie- und Außenhandelsstatistiken sowie eigene Berechnungen. Die Untersuchung reicht bis zum ersten Halbjahr 2026 und berücksichtigt neben fossilen Energieträgern auch Biomasse, Kernbrennstoff und Strom.
In Deutschland lagen die importierten Energiemengen 2025 etwa ein Viertel unter dem Niveau von 2015. Trotzdem beliefen sich die Nettoimportkosten auf rund 76 Milliarden Euro, also auf den Betrag nach Abzug des Wertes deutscher Energieexporte. Ohne diesen Abzug waren es rund 101 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2022 erreichte die Nettoimportrechnung sogar 143 Milliarden Euro.
„Die Entwicklung zeigt, dass sinkende Importmengen allein nicht ausreichen, um die wirtschaftlichen Risiken fossiler Energieabhängigkeit zu begrenzen. Solange Deutschland große Mengen Öl und Gas importiert, bleibt die Volkswirtschaft anfällig für internationale Preisschwankungen“, erklärt Dr. Felix Christian Matthes.
Im Jahr 2025 deckte Deutschland rund 66 Prozent seines Primärenergiebedarfs durch Nettoimporte. Nahezu das gesamte benötigte Mineralöl sowie rund 90 Prozent des Erdgases kamen aus dem Ausland. Bei den Kosten entfielen rechnerisch 34 Prozent auf den Verkehr, 25 Prozent auf die Industrie, 17 Prozent auf die Energiewirtschaft und 16 Prozent auf private Haushalte.
Europaweit war die Abhängigkeit ebenfalls erheblich. Die EU deckte rund 57 Prozent ihres Primärenergiebedarfs durch Nettoimporte, deren Kosten 2025 bei 296 Milliarden Euro lagen. Zwar sanken die Importmengen seit 2015 um etwa zehn Prozent, die Nettoimportkosten lagen jedoch rund ein Drittel höher. Zugleich stieg der Anteil von Flüssigerdgas an den europäischen Erdgasimporten von knapp zehn auf mehr als 40 Prozent.
Die Analyse schätzt außerdem, wie sich fossile Importausgaben über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahrzehnten ersetzen ließen. Den größten Beitrag könnte die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärmeversorgung leisten. Gemessen an den Nettoimportkosten von 2025 entspräche dies rund 40 Prozent oder 30 Milliarden Euro jährlich.
Elektrofahrzeuge könnten einen Teil der Nachfrage nach Benzin und Diesel ablösen, während Stromanwendungen und Wärmepumpen den Bedarf an Gas und anderen Brennstoffen verringern. Weitere 30 Prozent beziehungsweise rund 23 Milliarden Euro ordnet die Analyse erneuerbaren Energien und Umweltwärme zu. Diese beiden Bereiche sind nicht vollständig unabhängig voneinander, weil Wärmepumpen Strom und Umweltwärme gemeinsam nutzen.