// EUROGAMER.DE — GAMING
Nintendos Remake-Flut nervt – aber wenn ich dieses Star Fox spiele, mag ich mich nicht beschweren
Im zweiten Jahr der Switch 2 häufen sich aufgewärmte Klassiker und Ports. Trotzdem hat Alex zu viel Gefallen am Star-Fox-Remake für einen Aufstand
Okay, wow! Ich kann jeden verstehen, der auf der Nintendo Direct so laut mit den Augen gerollt hat, dass die Nachbarn an die Wand gehämmert haben. Denn was hier an teils arg verspäteten Switch-2-Upgrades, -Umsetzungen und -Remakes angekündigt wurde, das nimmt der immer noch recht frischen Konsole mehr als nur ein wenig vom Reiz des Neuen, der sie eigentlich umwehen sollte. Immerhin ist die Switch 2 gerade erst ein Jahr auf dem Markt.
Nicht falsch verstehen: So gut wie alle der angekündigten Spiele sahen klasse aus und bereichern jede Plattform, die sie zieren. Das gilt für Dragon’s Dogma 2 genauso wie für Metaphor: ReFantazio, Lies of P und wie sie alle heißen. Allein, Titel älteren Datums auch auf der Switch 2 zu bekommen, beseitigt allenfalls einen Mangel, anstatt eigene Argumente für diese spezielle Konsole auf den Tisch zu knallen. Damit bringt man die User sicher nicht so sehr in Wallung wie mit etwas Neuem, Originellem. Die Kritik ist also berechtigt, denke ich nach der Show so … und dann spiele ich die Demo des Star-Fox-Remakes für Switch 2 und bin auf einmal wieder 17. Warum regen wir uns noch mal auf?
Seit dem SNES-Debüt 1993 steht Star Fox für technische Pionierarbeit. Nutzte das Original noch den Super-FX-Chip für bahnbrechende 3D-Grafik, etablierte Star Fox 64 (Lylat Wars in Europa) das Rumble Pak als Branchenstandard. Das Remake tritt somit in gewaltige technische Fußstapfen.
Klaro, es ist einer der ältesten Running Gags der Branche, wie sehr sich Nintendo nicht nur auf seine bestehenden Reihen stützt, sondern wie häufig das Unternehmen auch die alten Spiele immer wieder in variierter Form neu zum Kauf (oder im Abonnement) anbietet. Wir haben schon lange aufgehört, darüber zu lachen. Doch es gibt nun mal Games, die werden mit dem Alter nicht besser, egal wie viele Kenner sie in Essays und Videoretrospektiven auch als “zeitlos” titulieren. Spiele wie Zelda – Ocarina of Time und Lylat Wars (wie Star Fox 64 hierzulande hieß) haben ihr Verfallsdatum längst überschritten.
Gerade Star Fox 64 litt als Shooter mit zum Teil recht kniffligen Levels merklich unter den – wenn es gut lief – rund 25 Bildern pro Sekunde. Oft waren es deutlich weniger. Eine technische Generalüberholung ist deshalb weit mehr als eine visuelle Frischzellenkur für Leute, die sich zu fein sind für Raumschiffe, die aus 13 Polygonen bestehen. Es ist ein Eingriff, der das Spiel nachweislich besser macht, weil er es näher an die eigentliche Vision heranrückt. Dank des Remakes von Star Fox für Nintendo Switch 2 dürfen nun auch meine Kinder diesen legendären Rail-Shooter in einer Grafik erleben, bei der man sofort erkennt, wo vorn und hinten ist.
Mehr noch: Das Spiel gewinnt an allen Fronten. Es fühlt sich toll an, wie die Arwings butterweich dahingleiten. Das Zielen auf Gegnerformationen fällt einfacher, ebenso wie das Hindurchfädeln des schnittigen Fliegers durch die zahlreichen Hindernisse, Steinbögen, Meteoritenzirkel und Projektile. Lens Flares, Reflexionen auf den Schwingen, Nebeleffekte, Weltraumkiesel, die durch die Luft beziehungsweise das Vakuum fliegen, und plastische Explosionen verleihen den Umgebungen nicht nur eine nominelle, sondern auch eine spürbare Tiefe. Verschwenderische Mikrodetails an den Oberflächen von Asteroiden, der Great Fox oder den Arwings selbst erzeugen einen beeindruckenden Größeneffekt, den das Original in der Form nicht kannte. Das Remake ist ein rundheraus atmosphärischeres, eindringlicheres Spiel.
Die Idee zu Fox McCloud kam Mastermind Shigeru Miyamoto beim Besuch des Fushimi-Inari-Schreins in Kyoto, der von Fuchs-Statuen gesäumt ist. Den ikonischen Look der anthropomorphen Tier-Crew entwarf Nintendos Ausnahme-Künstler Takaya Imamura.
Überdies bringen Games wie dieses auch abseits der potenten Nostalgiedröhnung, die mancher Entwickler etwas zu schamlos ausnutzt, etwas