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Wie zwängen sich Kraken durch Öffnungen, die viel kleiner sind als ihr Körper?
Ein Arm voran, die übrigen folgen: Kraken zwängen sich nicht einfach wahllos durch schmale Öffnungen. Videoanalysen zeigen bei Gewöhnlichen Kraken zwei wiederkehrende Bewegungsfolgen. Wie viele Teilschritte nötig sind, hängt in den beobachteten Versuchen mit der relativen Enge des Durchgangs zusammen. Das könnte auch für die Entwicklung weicher Roboter interessant werden.
Singapur (Singapur). Kraken wirken wie lebendige Knetmasse, wenn sie sich durch Öffnungen zwängen, die deutlich schmaler sind als ihr Körper. Doch hinter diesem scheinbar mühelosen Manöver steckt ein koordiniertes Zusammenspiel aus tastenden Armen, Saugnäpfen und verformbaren Körperteilen.
Anders als die meisten Wirbeltiere besitzen Kraken kein starres Knochenskelett. Ihr harter Schnabel und die Knorpelkapsel um das zentrale Nervensystem setzen dennoch Grenzen, während Arme und Mantel ihre Form stark verändern können.
Forscher der National University of Singapore (NUS) um Dr. Wenci Xin haben untersucht, welche Bewegungen Gewöhnliche Kraken (Octopus vulgaris) beim Passieren enger Löcher ausführen. Dazu beobachtete das Team drei halbwüchsige Tiere vor einer transparenten Acryltrennwand mit einer kreisrunden Öffnung und zeichnete die Versuche aus mehreren Blickwinkeln auf.
Als Maßstab für die Größe der Tiere diente der Abstand zwischen ihren Augen, der Hinweise auf die Größe der relativ steifen Knorpelkapsel gibt. Eine Öffnung war im Verhältnis zu diesem Abstand weiter, die andere enger: Bei einem Tier lag der Lochdurchmesser bei 20 Millimetern, bei den beiden anderen bei 30 Millimetern. Insgesamt wurden 33 Durchgänge erfasst, von denen drei wegen Beschädigungen der Versuchsanordnung nicht als erfolgreich galten.
„Bislang gab es keine Informationen darüber, wie Kraken sich durch eine Öffnung zwängen, die viel kleiner ist als ihr Körperdurchmesser“, erklärt Dr. Wenci Xin.
Bei der relativ weiten Öffnung nutzten die Kraken eine Folge aus drei Schritten: Zuerst ertasteten sie den Durchgang mit einem Arm, danach schoben sie drei bis fünf weitere Arme hindurch. Schließlich stützten sie sich mit bereits durchgesteckten Armen und deren Saugnäpfen an der Trennwand ab und zogen die übrigen Arme, den Kopf und den Mantel gemeinsam nach.
War die Öffnung im Verhältnis zum Augenabstand enger, kam meist ein vierter Schritt hinzu. Nach dem ersten Tasten und dem Vorschieben mehrerer Arme zwängten die Tiere zunächst alle verbliebenen Arme durch das Loch. Erst danach folgten Kopf und Mantel, dessen Durchmesser sich dabei durch aktive Verformung verringerte.
In den 14 ausgewerteten Versuchen bei der relativ weiten Öffnung trat ausschließlich die Dreischrittfolge auf. Bei der relativ engen Öffnung wurden dagegen 15 Vier-Schritt-Durchgänge und ein Drei-Schritt-Durchgang beobachtet. Auch die Auswahl der Arme war nicht zufällig verteilt: Besonders häufig erkundete einer der vorderen linken Arme die Öffnung.
Der beobachtete Zusammenhang zwischen relativer Lochgröße und Bewegungsfolge war in der Auswertung deutlich. Allerdings wurde jedes der drei Tiere nur unter einer Größenbedingung getestet, weshalb individuelle Vorlieben und die Größe der Öffnung nicht eindeutig voneinander zu trennen sind. Die Studie erlaubt deshalb noch keine allgemeingültige Regel für sämtliche Kraken.