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Mobilfunk-Resilienz nach Blackout: 72-Stunden-Puffer kostet Milliarden
Forscher beziffern die Kosten für eine 3-tägige Notstromabdeckung aller Mobilfunkmasten auf bis zu elf Milliarden Euro pro Jahr. Sie verweisen auf Alternativen.
Nach dem tagelangen Stromausfall im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Januar, den ein Brand auf einer Kabelbrücke ausgelöst hat, forderte die Expertenkommission des Senats eine flächendeckende Notstrompufferung an Mobilfunkstandorten für die Dauer von 72 Stunden. Eine im Auftrag des Betreibers 450connect erstellte Studie von WIK-Consult zeigt nun große wirtschaftliche und technische Hürden dieses Ansatzes auf. Demnach würde eine solche dreitägige Batterieabsicherung für die Funkzugangsnetze der drei etablierten Netzbetreiber jährlich mehrere Milliarden Euro kosten.
Die Analyse verdeutlicht, dass öffentliche Mobilfunknetze grundlegend anders konzipiert sind als die für kritische Infrastrukturen (Kritis). Erstere seien weder architektonisch noch wirtschaftlich auf derartige Krisenszenarien ausgelegt.
Bereits der Status quo offenbart eine erhebliche Anfälligkeit der gängigen Netze bei großflächigen Stromausfällen. Wie die Forscher am Beispiel des Berliner Blackouts sowie eines Stromausfalls im Spanien und Portugal im April 2025 vor Augen führen, bricht die öffentliche Mobilfunkversorgung ohne externe Energiezufuhr rasant ein.
In Berlin waren im Januar 2026 rund 100 Mobilfunkstandorte betroffen und fielen sofort oder nach kurzer Zeit aus. Erst nach 24 Stunden konnten mobile Netzersatzanlagen bei etwa zwei Dritteln dieser Standorte eine stark eingeschränkte Grundversorgung mit 800-MHz-Frequenzen etablieren. Ähnlich war die Lage in Spanien, wo der Anteil unerreichbarer Nutzer innerhalb von 30 Minuten sprunghaft anstieg und in der Spitze mehr als 50 Prozent betrug. Selbst nach Rückkehr des Stroms dauerte es auf der iberischen Halbinsel bis zu eineinhalb Tage, bis die Netze wieder vollständig liefen.
Die enormen Kosten resultieren vor allem aus der komplexen Netzstruktur. Rund 73 Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Mobilfunknetzes entfallen laut der Analyse auf das Funkzugangsnetz, also auf die Antennen- und Basisstationen in der Fläche. Die nötigen Investitionen hingen dabei maßgeblich von der jeweiligen Standortlast und der gewünschten Pufferdauer ab. Im mittleren Kostenszenario von 1000 Euro je Kilowattstunde beliefen sich die jährlichen Gesamtkosten für eine 72-Stunden-Pufferung bei einer moderaten Standortlast von 5 Kilowatt auf 2,79 Milliarden Euro. Bei einer höheren Last von 20 Kilowatt schnellten die Kosten auf 11,15 Milliarden Euro pro Jahr hoch. Dazu kämen bauliche Probleme, da vor allem an städtischen Dachstandorten der Platz für umfangreiche Batteriespeicher fehle.
Neben der Verbraucherkommunikation werfe auch der Netzwiederaufbau durch Verteilnetzbetreiber gravierende Fragen auf, arbeiten die Experten heraus. Um nach einem Stromausfall einen erneuten Kollaps durch unkontrolliertes Wiedereinschalten starker Verbraucher oder unkoordinierte Einspeisungen zu verhindern, benötigen Netzbetreiber innerhalb von 15 Minuten nach Spannungswiederkehr Datenverbindungen zu zahlreichen dezentralen Anlagen und flexiblen Lasten. Öffentliche Mobilfunknetze leisten das im Krisenfall nicht. In Berlin halfen sich die Zuständigen mit dem digitalen Behördenfunk Tetra aus, dessen Übertragungskapazitäten für künftige Anforderungen aber bei weitem nicht ausreichen.
Als wirtschaftlich effiziente Alternative bringen die Forscher das 450-MHz-Mobilfunknetz ins Spiel. Im Gegensatz zu den auf Massenkommunikation und Datendurchsatz optimierten öffentlichen Netzen sei dieses exklusiv für Kritis-Betreiber konzipiert. Es verfüge bereits standardmäßig über eine durchgängige 72-Stunden-Notstrompufferung an Kern- und Funkstandorten sowie eine georedundante Anbindung. Damit bietet das 450-MHz-Netz laut WIK-Consult eine passgenaue Infrastruktur, um die „Resilienzlücke“ des öffentlichen Mobilfunks beim Netzwiederaufbau effizient zu kompensieren.
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