// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Viele Gebäude weiterhin ohne Elementarschadenversicherung
Immer häufiger führen Starkregen und Überschwemmungen zu teuren Schäden an Häusern. Nur gut die Hälfte der Gebäude in Deutschland sind gegen solche Folgen abgesichert. Experten sehen Handlungsbedarf.
Der kleine Grumbach im osthessischen Dirlos im Landkreis Fulda wirkt harmlos. Doch bei Starkregen wird aus dem Rinnsal ein Problem für die Anwohner in der Senke, durch die sich der Bach schlängelt: 2013 und 2018 gab es hier Hochwasser mit hohen Schäden.
Anwohnerin Jutta Schäfer sagt, ihr bereite "der Klimawandel Sorgen". Denn sie rechnet mit mehr Starkregen und dann auch mit mehr Überschwemmungen in den nächsten Jahren. Heute würde man in der Aue nicht mehr bauen, sagt Bürgermeister Timo Zentgraf. Die Menschen umzusiedeln, sei jedoch keine Option.
FAQ
15.07.2021
Alle Fakten zur Versicherung bei Hochwasser auf einen Blick.
mehr
Dirlos ist nur ein Beispiel von vielen. Rund 400.000 Wohngebäude in Deutschland stehen in Gebieten mit hohem Überschwemmungsrisiko. Betroffen sind nicht nur Häuser an Flüssen und Seen. Auch Starkregen kann Gebäude weit entfernt von Gewässern treffen, wenn große Wassermengen nicht schnell genug abfließen können.
"Starkregen kann auch dort auftreten, wo kein Fluss in der Nähe ist", sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Mit der fortschreitenden Erderwärmung rechnen Fachleute damit, dass Starkregen und Hochwasser künftig häufiger auftreten. Entsprechend wächst das Risiko für Gebäudeschäden.
Etwa 40 Prozent der aller Wohngebäude in Deutschland sind bisher nicht gegen Naturkatastrophen abgesichert.
mehr
Eigentümer können sich mit einer Elementarschadenversicherung gegen solche Risiken absichern. Sie ergänzt die Wohngebäudeversicherung um Schutz vor Naturgefahren wie Überschwemmungen oder Starkregen. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft verfügen derzeit rund 57 Prozent der Gebäude über einen solchen Schutz.
Während Elementarversicherungen bei Neubauten oft selbstverständlich sind, stagniert die Versicherungsquote bei Bestandsgebäuden. Nach Naturkatastrophen wie der Flut im Ahrtal 2021 steigt das Interesse an entsprechenden Policen regelmäßig. Der Effekt halte jedoch meist nicht lange an. Mit zunehmendem Abstand zu den Ereignissen sinke das Risikobewusstsein vieler Eigentümer wieder. Käfer-Rohrbach spricht von einer "Katastrophendemenz".