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Porsche muss sparen: Vorerst Erleichterung in Zuffenhausen
Auch Porsche spürt die Krise in der Autoindustrie. Und dennoch: Nach der Betriebsversammlung herrscht bei Konzernleitung und Belegschaft positive Stimmung. Was macht Porsche anders?
Am Vormittag zeichnet Sorge die Gesichter all derer, die durch das Werkstor von Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen zur Betriebsversammlung eilen. Am Nachmittag, gut vier Stunden später, dominiert die Erleichterung. "Man kann auf jeden Fall voll zufrieden sein. Bis 2035 auf jeden Fall", sagt Bilal Dogan, ein Arbeiter in Werkskluft, als er aus dem Drehkreuz kommt. "Klar, weniger Sonderzahlungen, weniger Weihnachtsgeld und so. Aber es ist immer noch eine gute Sache, bei Porsche zu arbeiten."
Viele Monate schien das nicht so klar. Die Automobilkrise geht auch an dem Sportwagenhersteller im Luxussegment nicht spurlos vorbei. Die Premium-Fahrzeuge, die fast ausschließlich in Deutschland produziert werden, verkaufen sich längst nicht mehr so gut wie früher, vor allem in China ist der Absatz massiv eingebrochen. Hinzu kommt der schleppend verlaufende Umstieg auf E-Mobilität.
Porsches Gewinn brach zuletzt um 91 Prozent ein, im vergangenen Jahr flog der Konzern gar aus dem DAX, gehört also nicht mehr zu den 40 größten und umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands. Ein erstes Sparpaket, das im vergangenen Jahr verabschiedet wurde, beschloss den sozialverträglichen Abbau von 3.900 Stellen und einer Verschlankung der Produktion. Genügt hat das nicht.
Zeit also für eine Notbremse. "Porsche ist wirklich sehr stark unter Druck geraten, leidet sehr unter den geopolitischen Situationen, insbesondere den Zöllen in den USA. Und eben auch unter diesem wirklich drastischen Knick bei den Absätzen in China," so Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. "Und deswegen bleibt Porsche jetzt nichts anderes übrig, als wirklich zu sparen und eben auch weitere Stellen abzubauen."
Konkret sind es 5.000 weitere Stellen, also fast ein Fünftel der Belegschaft, deren Abbau im neuen Sparpaket, von Porsche "Zukunftspaket" genannt, festgeschrieben wurde. 5.000 Stellen, die bis 2035 sozialverträglich wegfallen sollen, also durch Fluktuation, demografischen Wandel, wohl auch durch Abfindungen. Außerdem verzichtet vor allem das obere Management und das Top-Management auf Gehalt. Einmalzahlungen wie das Weihnachtsgeld werden gekürzt. Im Gegenzug verlängert der Konzern die Standortsicherheit der Werke in Zuffenhausen und Weissach bis 2035 und sichert damit zu, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.
Bei der Betriebsversammlung von Porsche stehen Details des "Zukunftspakets" im Mittelpunkt.
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Monatelang haben Geschäftsführung und Betriebsrat um dieses "Zukunftspaket" gerungen. Nun zeigen sich beide zufrieden. Porsche-Chef Michael Leiters erklärte: "Unser Zukunftspaket ist ein ganz wichtiger Baustein für die Zukunft von Porsche. Wir schaffen es dadurch, erhebliche Kosteneinsparungen, Flexibilisierung, Produktivität zu steigern. Und nur so ist es möglich, dass wir dann auch in die Zukunft investieren, in unsere zukünftigen Produkte und unsere Standorte, damit auch die Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben."
Die IG Metall äußerte sich fast wortgleich: "In einer Zeit, in der die Automobilindustrie unter erheblichem Druck steht, sind eine Standortsicherung bis 2035 und Investitionen in dieser Höhe alles andere als selbstverständlich", so Tamara Hübner, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Stuttgart." Die Vereinbarung schafft Perspektiven für die Beschäftigten und ist ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland."
Tatsächlich ist diese seltene Einigkeit eine Überraschung, denn zu Beginn der Verhandlungen hatte die Porsche-Familie um Wolfgang und Oliver Porsche noch eine klare Marschrichtung ausgegeben: keine Zusagen über das Jahr 2030 hinaus, denn die Weltlage sei derzeit unberechenbar.