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Zahlen, bitte! Boeing 2707: Gescheiterter Überschallflieger des SST-Programms
In den 1960ern stieg die USA in das Rennen um einen zivilien Überschallflieger mit ein. Das Konzept der Boeing 2707 erreichte jedoch niemals die Serienreife.
In den 1960er Jahren lieferten sich das westliche Europa und die Sowjetunion einen Wettkampf um das erste zivile Überschallpassagierflugzeug. Das Rennen um den Erstflug gewannen knapp die Sowjets mit der TU 144. Zwar blieb die französisch-britische Concorde nur zweiter Sieger am Start, blieb aber dafür über Jahrzehnte im Linienflugbetrieb.
Die USA hingegen wurden trotz bereits längerer Planungen von den Vorhaben der Konkurrenz überrumpelt und wollten anfangs mit dem SST-Programm kontern, aus dessen Wettbewerb die Boeing 2707 als Sieger hervorging: größer und schneller als die Entwürfe aus Übersee wollte man das Flugzeug bauen. Letztlich scheiterten die Pläne aus verschiedenen Gründen. Aber nun gibt es neue Pläne.
In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Als in den 1960ern sich die Düsentriebwerke in der zivilen Luftfahrt etablierten, dachte man in den Entwicklungsbüros schon weiter: Dem Zeitgeist entsprechend vermutete man, dass in den 1980ern ein Großteil der Langstreckenflüge mit Überschallpassagierflugzeugen erledigt würde.
Boeing begann bereits 1952 mit Studien für zivile Überschallflüge. Ab 1958 begann eine eigene Abteilung, Konzepte für Überschallpassagierflugzeuge zu entwickeln, die bis 1960 pro Jahr mindestens eine Million US-Dollar Entwicklungskosten verschlangen.
Die NACA (National Advisory Committee for Aeronautics) erforschte in den 1950ern Überschallprofile und Flügelformen, bis sie 1958 unter neuem Namen als NASA (National Aeronautics and Space Administration) die Forschungen fortsetzte. . Sie entwickelten am Versuchsträger XB-70, der zwar vorrangig der Entwicklung eines Überschallbombers dienen sollte, dessen Entwicklungsarbeit und Forschungsergebnisse, wie etwa beim Überschallknall, auch der zivilen Luftfahrt zugutekam, und zwar im Entwicklungsprogramm SCAT (Supersonic Commercial Air Transport).
Obwohl sie bereits erste Erfahrungen in der Überschallentwicklung aufwiesen und Boeing erste Konzepte eines Überschallflugzeugs mit Schwenkflügel und für 150 Personen in der Schublade hatte, waren die USA überrumpelt: Am 29. November 1962 kündigten die britischen und französischen Luftfahrtindustrie an, mit der Concorde gemeinsam ein Überschallflugzeug zur Serienreife bringen zu wollen.
Für die Amerikaner kamen ungute Erinnerungen an den Sputnik-Schock hoch, als man 1957 gänzlich unvorbereitet den Start eines Satelliten durch die Sowjetunion mitansehen musste. Man war sich sicher, dass Überschallflugzeuge die nächste Stufe der Luftfahrt seien, und wollte nicht erneut ins Hintertreffen geraten. Von der Entscheidung hingen 50.000 Arbeitsplätze ab, ließ die US-Luftfahrtindustrie 1963 ihren Präsidenten wissen.
Die zunächst zögerliche Haltung der US-Regierung durchbrach Juan Trippe, Gründer und Chef der US-Fluggesellschaft PAN AM. Er setzte US-Präsident John F. Kennedy mit der Ankündigung unter Druck, sechs Concordes vorzubestellen. Trippe ließ aber auch wissen, dass er viel lieber das Geld im Inland investieren wollte.