// EUROGAMER.DE — GAMING
Corsair Cove im Test: Ein Traum von einem Piratenspiel und ein unfassbar innovativer Aufbautitel
Limbic Entertainment liefert mit Corsair Cove eine Aufbau-Überraschung, die Genre-Größen mit fantastischem Piraten-Setting und vertikalem Bauen herausfordert.
Corsair Cove ist eine innovative Aufbausimulation mit Piraten-Setting. Entwickelt vom deutschen Studio Limbic Entertainment und gepublisht von Hooded Horse, erscheint der Titel am 31. Juli 2026 für den PC. Neben klassischen Wirtschaftskreisläufen punktet das Spiel mit Erkundung und vertikalem Bauen.
Corsair Cove macht so viele Dinge anders, dass einem schwindelig wird. Aufbausimulationen, die sich um Warenkreisläufe drehen, tun sich sonst ja eher schwer mit Neuerungen, sie leben sogar zu einem gewissen Teil davon, dass wir mit ihrer Funktionsweise vertraut sind. Zügig muss alles flutschen, damit wir darin versinken können, ihre Abläufe fein auszutarieren. Und dann kommt Corsair Cove, dieses bildhübsche Piraten-Management- und -Aufbauspiel, und packt das Genre mit so einem Elan, als ließe es einen neureichen Guybrush Threepwood von einer privaten Hängebrücke baumeln (die Jüngeren dürfen das gern nachschlagen).
Das geht mit zwei grundlegenden Dingen los. Ich bin nicht sicher, wie lange euer Freibeuterkunde-Unterricht her ist, aber anders als die Bevölkerung in gängigen Aufbautiteln vermehren sich Piraten nicht auf die klassische Art. Ganz egal, wie gut es ihnen geht, wie viele schöne Behausungen mit Blick aufs Meer ihr ihnen hinstellt und wie reibungslos der Schnaps in die Taverne fließt: Der Nachwuchs entsteht hier nicht von selbst und Neuankömmlinge stoßen eher unregelmäßig hinzu. Eine andere Sache, die Piraten nicht selbst herstellen, ist Währung. Also muss man sich beides – neues Personal und Geld – “besorgen”, will man sich vergrößern.
Gerade zu Beginn, als ihr es euch auf der Totenkopfinsel gemütlich macht, irritiert das den geübten virtuellen Stadtplaner schon ein wenig. Spätestens als ihr euch erste Gedanken um effektive Transportrouten über die zerfurchte Insel macht und euch auffällt, dass eine Seilbahn schon mit 300 Gold wie ein Korsarensäbel durch eure Bücher schlägt, wisst ihr, in Corsair Cove laufen die Dinge anders. Und, Grundgütiger, hat das gutgetan, ein paar Sachen neu denken zu müssen. Es ist lange her, dass ich solche Schwierigkeiten hatte, mich von einem Spiel zu lösen.
Wie in Spielform gepresstes Fernweh geht diese Lust aufs Neue nämlich noch eine ganze Weile weiter munter mit dem Spiel durch. So setzt Corsair Cove für viele der ersten Ressourcen, die ihr heranschaffen müsst, gar kein Rohmaterial voraus. Solange ihr einen Holzfäller auf dem platziert, was das Spiel als “fruchtbaren Boden” deklariert, kommt ohne weitere Platzsorgen unentwegt Baumaterial nach. Das Lagerfeuer und die Schnapsbrennerei sorgen ganz allein für Eintopf und Fusel und sogar die Sauen beim Schweinezüchter werden wie von selbst fett und rund. Natürlich, spätere Einrichtungen sind nicht mehr so genügsam. Aber anfangs wähnt man sich ein bisschen im falschen Spiel und das nicht mal auf die schlechte Art. Limbic überraschte mich da sehr.
Das im hessischen Langen ansässige Studio Limbic Entertainment bringt reichlich Genre-Erfahrung in Corsair Cove ein. Zuvor bewies das Team sein Können bereits mit großen Aufbausimulationen wie Tropico 6 und dem Freizeitpark-Manager Park Beyond.
Eine andere Sache, die fast schon desorientierend wirkt, und die sich im weiteren Verlauf als echtes Killer-Feature erweist, ist das überaus expressive Bausystem, das sich ganz darum dreht, irrwitzige Shanty-Towns selbst noch steilste Klippen hochzuziehen. Noch nie streckte sich ein Spiel dieser Art derart in die Höhe, und dass man sehr viele der Gebäude einfach und problemlos an den schieren Fels pappen kann, ist rundherum faszinierend und schön anzusehen. Sicher, das System, das automatisch Verbindungen zu angrenzenden Bauten schafft, produziert manches Mal geradezu eschereske Konvolute aus Leitern und Seilbrücken, aber auch da kann man händisch korrigieren, wenn man möchte. Tatsächlich versprüht das