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Reaktion auf CSD-Anschlag: "Queerfeindlichkeit beim Namen nennen"
Mehr Ehrlichkeit von der muslimischen Gemeinschaft - das verlangt Eren Güvercin von der Alhambra-Gesellschaft nach dem CSD-Anschlag. Queerfeindlichkeit sei Realität. Darüber hinaus warnt er vor "enthemmten" Islamisten in Sozialen Netzwerken.
tagesschau24: Der Vater des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul B. hat im Interview mit dem Spiegel den Verdacht geäußert, sein Sohn sei einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Losgelöst von diesem Einzelfall: Wie läuft so eine Gehirnwäsche ab?
Eren Güvercin: Insbesondere seit dem 7. Oktober 2023, nach dem schrecklichen Terrorangriff der Hamas auf Israel, können wir in den Sozialen Netzwerken eine enthemmte islamistische Szene beobachten. Sie nutzen die Emotionalisierung des Nahost-Konflikts, um insbesondere junge Menschen mit ihrer Ideologie zu indoktrinieren und zu rekrutieren.
Das geht einher mit antisemitischen Narrativen, aber auch mit queerfeindlichen Einstellungen. Und das wird vor allem in den Sozialen Netzwerken propagiert. Insbesondere von jungen Menschen mit gut produzierten Videos, die auch Elemente aus der aktuellen Jugendkultur verwenden. Also sie sind sehr modern unterwegs und versuchen dort junge Menschen zu indoktrinieren.
tagesschau24: Wer sind diese Leute, die Menschen so zu potenziellen Attentätern machen?
Güvercin: Es sind natürlich ganz unterschiedliche Leute. Wir haben immer noch den sogenannten Islamischen Staat, der zwar in Syrien und im Irak militärisch besiegt ist, aber der immer noch existiert, auch in anderen Regionen der muslimischen Welt. Sie versuchen, gezielt Ausschau zu halten nach jungen Menschen, die leicht beeinflussbar sind, die vielleicht schon islamistisch ideologisiert sind. Und dafür versuchen sie vor allem über Telegram-Gruppen junge Menschen gezielt anzusprechen, sodass sie Anschläge wie jetzt am Samstag in Europa, in Deutschland verüben.
Solche Fälle gab es in den letzten Jahren immer mehr. Und das Erstaunliche ist oder das Bemerkenswerte ist, dass die Täter auch immer jünger werden. Also wir müssen viel mehr die Aufmerksamkeit darauf richten, wie wir junge Menschen gerade auch im digitalen Raum resilienter machen können gegenüber islamistischen Akteuren, die versuchen, diese Menschen zu rekrutieren und zu ideologisieren.
tagesschau24: Schauen wir mal auf genau diesen Adressatenkreis. Wie kann es sein, dass sich Menschen, die hier in Deutschland geboren wurden, hier zur Schule gegangen sind, die deutsche Sprache sprechen, dass diese Menschen sich radikalisieren und gegen unsere offene Gesellschaft vorgehen, indem sie Attentate begehen?
Güvercin: Wir müssen, glaube ich, als Gesellschaft realisieren, dass Islamismus nicht nur ein Problem ist, was seit 2015 irgendwie in Erscheinung getreten ist. Natürlich gibt es auch unter den Geflüchteten Menschen, die bereits in ihren Heimatländern radikalisiert waren.
Aber wenn wir von den Schlüsselakteuren der islamistischen Szene bei uns sprechen, dann sind das in der Tat mehrheitlich Akteure, die häufig in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, hier sozialisiert sind. Das zeigt uns, dass wir gerade jungen Menschen Orientierung geben müssen. Und da sind wir auch als muslimische Community gefragt. Es kann nicht sein, dass wir nach jedem Anschlag sagen, das habe mit dem Islam nichts zu tun.